Mit hohen Forderungen war die Telekom in die Verhandlungen gegangen. Nachdem die TAL-Entgelte – also die Gebühren, die Wettbewerber für die Anmietung der Teilnehmeranschlussleitung zu zahlen haben – im vergangenen Jahr zunächst festgelegt wurden, kamen sie nun abermals auf den Prüfstand. Der Bonner Konzern hatte im Vorfeld einen saftigen,
70-prozentigen Aufschlag gefordert. Doch die Bundesnetzagentur machte der Telekom einen Strich durch die Rechnung. Ein Grund zum Feiern gibt es dennoch nicht.
Letzte Meile bleibt teuer
Die Regulierer gaben heute ihre Entscheidung in Bonn bekannt: Man habe sich gegen die Einwände der Telekom auf "geringfügige Reduzierungen" geeinigt. Für die Übernahme der TAL ohne Arbeiten beim Endkunden kann der rosa Riese künftig ein Entgelt von 35,70 Euro verlangen – bislang waren es 36,19 Euro. Für eine Neuschaltung, bei der die Techniker der Telekom anrücken müssen, steigt der Betrag auf 62,37 Euro. Ein Jahr lang wurde für diese Arbeiten 63,10 Euro berechnet. Alles in allem kann sich die Konkurrenz - und damit auch der zahlende Endkunde - über 0,2 bis 4,1 Prozent Preisnachlass freuen: ein denkwürdiger Durchbruch für den Wettbewerb.
Line Sharing geringfügig günstiger
Wie auch im vergangenen Jahr sanken zudem die Kosten, die mit dem sogenannten "Line Sharing" verknüpft sind. Dabei handelt es sich um die Miete eines aufgeteilten Frequenbereichs innerhalb der Letzten Meile, bei dem der untere Frequenzbereich von der Telekom weiter für die Sprachübertragung und der obere Frequenzbereich von einem Wettbewerber für Datenübertragung genutzt wird. 1,91 Euro wurden bisher dafür monatlich fällig – künftig sind es 1,78 Euro. Die vorher nötige Neuschaltung kostet jetzt 58,98 Euro, sofern keine Arbeiten beim Kabelverzweiger oder beim Kunden nötig sind. Im vergangenen Jahr wurde zunächst eine Gebühr in Höhe von 60,82 Euro beschlossen.
Wie die Bundesnetzagentur mitteilt, seien die heute beschlossenen Tarife bis Ende Juni 2010 gültig. Genaue Gründe für die verhältnismäßig geringen Preisnachlässe nennen die Regulierer nicht, verweisen jedoch auf die tarifvertraglichen Vereinbarungen zwischen der Telekom und der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, die es nötigt machten, die "organisatorischen Änderungen und insbesondere Wochenarbeitszeiterhöhungen" zu berücksichtigen.
Update, 1. Juli 2008: "Eine viel zu geringe Absenkung"
Erwartungsgemäß stieß die minimale Verringerung des Umschaltentgelts auf wenig Begeisterung beim Wettbewerb. Der Branchenverband BREKO bemängelte die Entscheidung der Bundesnetzagentur: "Eine viel zu geringe Absenkung in Anbetracht der beträchtlichen Kostensenkungen aus dem Tarifabschluss 2007", betonte Verbandsgeschäftsführer Rainer Lüddemann. "Die dadurch erzielten Kostenvorteile der Telekom müssten komplett an die Wettbewerber weitergegeben werden, soweit es um Preise für deren Vorprodukte gehe. Dies sei aber offenbar nicht geschehen." Eine nachdrückliche Reduktion der Einmalentgelte hätte ein eindeutiges Zeichen für mehr Wettbewerb gesetzt und die Wettbewerbsbalance wieder hergestellt.
Schon vor einigen Wochen stand der Regulierer im Mittelpunkt der Kritik der Breitbandwirtschaft, als die Kosten für
Bitstrom-Breitbandzugänge bekannt gegeben wurden. Die Telekom-Konkurrenz warf der Behörde vor, den Preis mit 19,05 Euro zu niedrig angesetzt zu haben: Die Motivation zum Aufbau einer eigenen Infrastruktur bleibe dabei auf der Strecke.