Ein Ladenhüter als Erbe – dass Bills Gates so etwas als Abschiedswunsch im Kopf hatte, als er vergangenen Freitag den
Hut bei Microsoft nahm, ist schwer vorstellbar. Dennoch geht kein Weg daran vorbei:
Windows Vista, das vor anderthalb Jahren als Betriebssystemknaller das bereits in die Jahre gekommene Windows XP hätte ablösen sollen, ist ein Flop.
Drei Viertel nutzen weiter XP
Wie eine neue Studie von Fittkau & Maaß beweist, hat der Vista-Marktstart die Windows-Nutzer weitgehend unbeeindruckt gelassen – obwohl Microsoft ankündigte, den aktiven Vertrieb von Windows XP in diesen Tagen einzustellen. Das mittlerweile sieben Jahre alte Betriebssystem verfügt mit 75,8 Prozent über die größte Anhängerschaft. Vista hat es dagegen in den vergangenen 18 Monaten auf die Rechner von lediglich 13,2 aller Nutzer geschafft. Die übrigen Plätze belegen das Mac OS (3,8 Prozent) und Windows 98 (1,3 Prozent). Die Popularität von Linux-Systemen liegt noch weiter darunter. Insgesamt wurden im Rahmen der Studie rund 102.000 deutschsprachige Nutzer befragt.
Kleines Stück vom Kuchen: Viele lassen Vista links liegen. Quelle: Fittkau & Maaß
Kein Vista auf Netbooks
Dass sich daran in naher Zukunft etwas ändern wird, ist unwahrscheinlich. Nachdem mehrere Unternehmen angekündigt haben, aufgrund der
hohen Kosten, die mit einem Systemwechsel verbunden sind, weiterhin auf Windows XP zu setzen, scheint sich ein ähnliches Bild auch in der Boom-Branche der Mini-Laptops, den Netbooks, abzuzeichnen. Mobile Rechner, wie der
Eee-PC, wurden in ihren ersten Ausführungen noch mit Linux ausgeliefert, neuere Modelle bekommen nun serienmäßig Windows XP vorinstalliert – von Vista keine Spur.
Wie Walter Deppeler, Vizechef bei Acer, der "Berliner Zeitung" am Samstag in einem Interview mitteilte, wird dies auch so bleiben: "Im Moment fährt da der Zug ohne Windows. Microsofts neueste Betriebssystem-Version Vista hat leider nichts, was wir dafür einsetzen könnten", wird er zitiert. Tatsächlich könnte Microsoft weiter Anteile verlieren, sofern die Entwickler in Redmond nicht "mit der gleichen Zielsetzung in neue Märkte" gehen, wie Acer es tut.