Sie sind überall zu sehen: Handy-Telefonierer. Auf der Straße, im Cafe, in Bus und Bahn. Das Handy folgt uns überallhin. Auch ins Auto, etwa bei einer Fahrt in den Urlaub. Doch die Nutzung des Handys am Steuer wird nicht nur in Deutschland mit einem Bußgeld bestraft, wobei die Strafe mit 40 Euro im europäischen Vergleich noch recht milde ausfällt.
Bußgelder bis knapp 600 Euro
Andere Länder in Europa greifen da viel ungenierter zu, wenn ein Autofahrer mit einem Handy am Steuer von der Polizei ertappt wurde.
Dabei steht der Bußgeldrahmen in etlichen Ländern im Ermessen des jeweiligen Polizisten, der die Höhe der Geldstrafe auch nach der Verkehrssituation ausrichten kann. Die beiden EM-Gastgeberländer Österreich und Schweiz halten sich mit 50 beziehungsweise 62 Euro da zwar noch eher zurück, doch in etlichen Ländern wie Belgien, Portugal, Ungarn und den Niederlanden werden Strafen von mindestens 100 Euro verhängt. Besonders gefährdet ist die Urlaubskasse in Italien, wo im Höchstfall ein Bußgeld von 594 Euro den schönsten Urlaub vermiesen kann.
Handy-Bußgelder sind in Europa meist höher als in Deutschland. Grafik: Bitkom
Headsets und Freisprecheinrichtungen nutzen
Was viele Autofahrer in Deutschland nicht wissen: Das
Handyverbot am Steuer gilt auch bereits für das Halten eines Handys bei laufendem Motor. Es ist in Deutschland ebenso strafbar wie das Lesen oder Scheiben von SMS. Der Fahrer ist in jedem Fall abgelenkt. Doch auch im Auto muss nicht komplett auf die Nutzung des Handys verzichtet werden. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) gibt Hinweise, wie hohe Bußgelder verhindert werden können. "Für Fahrer, die unterwegs nicht aufs Telefonieren verzichten wollen, lohnt sich der Einbau einer Freisprecheinrichtung", so Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Es können zwar auch Headsets genutzt werden, die mittlerweile günstig angeboten werden, doch würden diese bei längeren Fahrten stören. Headsets sind auch nicht in allen europäischen Ländern als Freisprech-Lösung anerkannt.
Freisprechanlagen gibt es in der Plug-und-Play-Variante, meist mit einem Anschlusskabel für den Zigarettenanzünder, oder aber als fest eingebautes Modell. Der Vorteil des Festeinbaus ist die bessere Empfangs- und Tonqualität. Es stören auch keine herumliegenden Kabel im Innenraum wie bei den mobilen Freisprecheinrichtungen. Wichtig sei laut Bitkom eine stabile Befestigung der Freispechanlage, damit bei starken Bremsmanövern oder bei einem Unfall das Handy mitsamt Zubehör nicht als Wurfgeschoss durch das Auto fliegt. Bei einem Festeinbau ist die Installation durch eine Fachwerkstatt angeraten.
Doch selbst wenn die Hände frei sind, ist die volle Konzentrationsfähigkeit eines Autofahres durch ein Telefonat während der Fahrt gestört. Amerikanische Studien aus dem Jahr 2006 haben gezeigt, dass auch bei der Nutzung von Freisprecheinrichtungen ein erhöhtes
Unfallrisikio besteht.