In Deutschland kocht derzeit die Fußball-Euphorie einem neuen Höchststand entgegen, nachdem die deutsche Fußball-Nationalmannschaft durch den Sieg gegen Portugal ins Halbfinale eingezogen ist. Überall in Deutschland saßen mitfiebernde Fans vor den Bildschirmen oder standen vor den Public-Viewing-Leinwänden. Doch ein Mitspieler fehlte bei der EM: das
Handy-TV, das ursprünglich im Sommer starten sollte, kämpft weiter mit Problemen. Auf die Übertragung von Fußballspielen auf ihren Handy-Displays mussten die Fußballanhänger bei dieser EM verzichten.
Start erst 2009 - oder das Aus?
Es läuft nicht so, wie es sich der Betreiber
Mobile 3.0, hinter dem die Medienkonzerne Burda, Holtzbrinck und Napsers stehen, erhofft hatte. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD), stehen immer noch Sendelizenzen in den vier Bundesländern Bremen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aus. Ohne diese Lizenzen kann das Handy-TV im DVB-H-Standard nicht flächendeckend angeboten werden. Auch die Verhandlungen mit TV-Sendern sind ins Stocken geraten und ein Vertriebspartner ist noch nicht gefunden. Gespräche mit den großen Mobilfunknetzbetreibern habe es noch nicht gegeben. Laut FTD halten Insider mittlerweile einen kommerziellen Start vor dem Frühjahr 2009 für kaum noch möglich. Auch eine Rückgabe der Lizenzen durch Mobile 3.0 sei denkbar.
Konkurrenz durch DVB-T-Handys
Als ob diese Schwierigkeiten nicht schon genug Ärger für Mobile 3.0 bedeuten, gibt es nun auch durch Handys für den
DVB-T-Standard ernste Konkurrenz. Handys wie das
HB620T von LG verfügen über eine externe Antenne zum kostenlosen Empfang von Fernsehsendern im mittlerweise fast flächendeckend verfügbaren DVB-T-Standard. Philipp Humm, T-Mobile Deutschlandchef, sieht die Chancen für Mobile 3.0 kritisch:" Es gibt für fast alle technischen Verfahren ein Zeitfenster von drei bis sieben Jahren, in denen ein Markterfolg möglich ist". Erste DVB-H Tests in Deutschland lägen nun schon rund zwei Jahre zurück, die kritische Grenze für einen möglichen Erfolg sei damit schon fast erreicht. Auch Vodafone-Chef Friedrich Joussen hält Handy-TV in Deutschland für
gescheitert. Und was sagt Mobile 3.0 selbst zu den Startschwierigkeiten? "Wir entwickeln derzeit noch unsere Produkt- und Vertriebsstrategie", erklärte eine Firmensprecherin gegenüber der FTD.
Kunden akzeptieren keine hohen Gebühren für Handy-TV
Als erschwerend kommt für Mobile 3.0 hinzu, dass die potentiellen Kunden nicht bereit sind für den Empfang von Fernsehsendern auf ihrem Handy zu zahlen. Arndt Rautenberg von der Unternehmensberatung OC&C Strategy sieht eine für Kunden gerade noch akzeptable Obergrenze im Bereich von rund fünf Euro. Damit ließe sich dann kein Gewinn erzielen. Ertragreichere, kostenpflichtige Zusatzdienste wären notwendig. Interesse an Handy-TV hat aktuell nur eine kleine Minderheit von noch nicht mal 20 Prozent. Auch ein Blick ins europäische Ausland zeigt, dass Handy-TV nur als Nischenprodukt sein Dasein fristen wird. In Italien kommt der dortige Betreiber nur auf rund eine halbe Million Kunden, in Großbritannien wurde Handy-TV sogar wieder ganz eingestellt.