Gemeinsam mit dem Chip-Hersteller Infineon haben Forscher des Fraunhofer-Instituts einen Weg gefunden, die Kapazität herkömmlicher DSL-Leitungen deutlich zu erhöhen. Möglich macht es die Schaltung eines sogenannten Phantomkreises, der zusätzliche Datenraten von bis zu 75 Prozent der jeweils normalen
DSL Geschwindigkeit erzielen kann.
Drittes Signal
Um das DSL-Netz aufzubohren ist es zunächst nötig, beim Überträger des DSL-Modems, der normalerweise die Sende- und Empfangssignale trennt, ein drittes Signal einzuspeisen. Dann passiert Folgendes: Die vom Signal verursachten Störungen verlaufen genau entgegensetzt, sodass sie sich auf beiden Seiten der Übertragungsstrecke aufheben und die Qualität der bisherigen Leitungen erhalten bleibt.
Mehr Kapazität: höhere Reichweite
Die Forscher haben das Verfahren des Phantomkreises – das eigentlich ein Erbe des Analog-Zeitalters ist – bei mehreren
Übertragungswegen wie VDSL2, ADSL2+ und SHDSL getestet. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Über einen Phantomkreis mit einer Länge von einem Kilometer wurden ADSL2+-Signale mit einer Datenrate von 15 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) übertragen. Gleichzeitig erreichten die Datenraten auf den Side-Channels, also den realen Leitungen, jeweils 20 Mbit/s. Auch bei Versuchen mit den übrigen DSL-Verfahren ließen sich Extra-Datenraten von bis zu 75 Prozent der ursprünglichen
DSL-Geschwindigkeit erreichen.
Wie das Institut mitteilt, könne die zusätzliche Kapazität alternativ dazu genutzt werden, um die Reichweite der Signale zu erhöhen. Auch hier sind bereits erste Tests gelaufen: So konnte beispielsweise die Reichweite von zwei gebündelten ADSL2+-Systemen für eine feste Datenrate von 20 Mbit/s durch die Nutzung des Phantomkreises um 400 Meter auf insgesamt 2,7 Kilometer vergrößert werden. Von den Ergebnissen versprechen sich die Forscher bessere Fortschritte im bundesweiten Ausbau des DSL-Netzes.
Das Fraunhofer-Institut schätzt die Schaltung von Phantomkreisen in Deutschland als absolut praxistauglich ein: "Messungen an realen Kabeln sowie mit dem gegenwärtig durch Netzbetreiber eingesetzten Equipment zeigten darüber hinaus, dass erhebliche Performance-Steigerungen möglich sind", ließen die Forscher mitteilen.