Forscher und Krebsärzte aus mehreren europäischen Ländern und den USA haben bei der Mobiltelefon-Nutzung wegen möglicher Gesundheitsgefahren vorbeugend zur Vorsicht aufgerufen. Bis die Wirkung der
Handy-Strahlung auf den Körper und insbesondere auf das Gehirn endgültig erforscht sei, sollten Kinder unter zwölf Jahren generell nicht mobil telefonieren, heißt es in dem im Internet veröffentlichten Aufruf der 20 Wissenschaftler aus Frankreich, Italien, den Niederlanden und den USA.
Ein Meter Abstand vom Handy
Kinderhirne seien noch im Wachstum begriffen und sehr viel stärker der Strahlung ausgesetzt als die von Erwachsenen. Aber auch für Erwachsene empfehlen die Forscher, mit Freisprechanlagen oder über Lautsprecher zu telefonieren und das Handy selbst im Ruhezustand nicht am Körper zu tragen. Generell sollte ein Abstand von einem Meter zu einem Mobiltelefon eingehalten werden, heißt es in dem Appell, der auf die Initiative des französischen Psychiaters David Servan Schreiber zurückgeht. Eine direkte Kommunikation sei generell besser als zu telefonieren. Insbesondere sollte die Nutzung des Handys bei schwachem Signal oder bei schneller Fortbewegung im Auto oder Zug vermieden werden, weil dabei die Strahlung steigt.
Weltgesundheitsorganisation untersucht Handy-Strahlung
Das französische Gesundheitsministerium betonte, es gebe keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass die Handy-Nutzung "ein erwähnenswertes Risiko" für die Gesundheit sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern darstelle. Mehrere Studien, die noch vertieft werden müssen, haben jedoch Hinweise auf ein "schwaches" Risiko bei intensiver und langjähriger Nutzung geliefert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) lässt derzeit diese Gefahr in einer groß angelegten Studie in 13 Ländern untersuchen. Bisher wurden dazu erst Teilergebnisse veröffentlicht. Auch in Deutschland, in Sachsen-Anhalt, läuft seit Anfang Juni eine
Strahlenmesskampagne.
Deutsche Studie findet keine Hinweise auf Krebsgefahr
Eine längere Untersuchungsreihe hat auch das Bundesamt für Strahlungsschutz durchgeführt. Über einen Zeitraum von knapp zehn Jahre wurden die Auswirkungen der Strahlung von Handys, schnurlosen Telefonen und Basisstationen erforscht. Dabei gab es keine Hinweise auf eine Krebsgefahr. Ein Zusammenhang zwischen Kopfschmerzen und Schlafstörungen in Verbindung mit elektromagnetischer Strahlung wurde nicht festgestellt. Eine langfristige Wirkung auf Kinder konnte dagegen noch nicht abschließend geklärt werden. Die geltenden Grenzwerte reichten aus, um die Bevölkerung ausreichend vor den Risiken der Mobilfunkstrahlung zu schützen, erklärte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am Dienstag in Berlin zum Abschluss des sechsjährigen Deutschen Mobilfunkforschungsprogramms. Für weitere Forschungen will das Bundesumweltministerium jährlich 500.000 Euro zur Verfügung stellen. Zusätzlich geben die Mobilfunkunternehmen Unternehmen E-Plus, Telefónica O2, T-Mobile und Vodafone eine Million Euro für diesen Zweck.