In der Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom hat der Verlag Gruner+Jahr Strafanzeige gegen den Konzern eingereicht. In der Anzeige bei der Bonner Staatsanwaltschaft verweise der Verlag darauf, dass Journalisten bei den Gruner+Jahr-Wirtschaftsblättern "Capital" und "Financial Times Deutschland" illegal ausspioniert worden sein sollen, berichtete die "Süddeutschen Zeitung". Damit seien das Fernmeldegeheimnis und das Geschäfts- und Betriebsgeheimnis in den betreffenden Redaktionen verletzt worden. Gruner+Jahr erhebt demnach auch den Vorwurf des Hausfriedensbruchs.
Die Telekom soll Verbindungsdaten von Journalisten an eine Detektei in Berlin weitergereicht haben, die feststellen sollte, ob Aufsichtsratsmitglieder mit Journalisten telefonierten und ihnen Interna verrieten. Der Chefreporter der "FTD" soll observiert worden sein. Zudem sollen Mitarbeiter der Detektei im Auftrag der Telekom heimlich Filmaufnahmen bei der "FTD" gemacht oder dies zumindest versucht haben. Bei "Capital" soll ein sogenannter Maulwurf in die Redaktion eingeschleust worden sein.
Gruner+Jahr habe sich nach Beginn der Spitzelaffäre schriftlich an die Telekom gewandt und um Auskunft über die Vorgänge gebeten, sagte die für Wirtschaftsmedien zuständige Verlagsgeschäftsführerin Ingrid Haas der "SZ". Der Verlag habe aber keine Antwort erhalten.
Hayo Lücke
/ afp