Anfang Mai hat der Deutsche Bundestag
verschärfte Kriterien zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor
Killerspielen und Gewaltvideos beschlossen. In der lebhaften Debatte wies ein Politiker der Linken den oft behaupteten "wissenschaftliche Nachweis eines Zusammenhangs von virtuellem Spiel und realer Gewalt" als Mythos zurück. Eine genau entgegengesetzte Position nimmt dagegen Georg Romer, stellvertretender Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, ein.
Reizüberflutung für Kinder
In einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" forderte der Kinderpsychologe einen effektiven Schutz von Kindern vor brutalen Computerspielen. Diese könnten eine große Gefahr für die Entwicklung von Kindern darstellen. Der Schutz vor Killerspielen müsse dem derzeit geltenden Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Pornographie entsprechen. Laut Romer sei der Zusammenhang zwischen Gewaltbereitschaft und Killerspielen mittlerweile "gut belegt". Es lasse sich allerdings nicht vorhersagen, welches Kind gewalttätig werde. Insbesondere Kinder im Grundschulalter müssten aber vor einer medialen Reizüberflutung geschützt werden.
Jungen gefährdeter als Mädchen
Der Einfluss von brutalen Videospielen auf Jungen ist laut Romer größer als der auf Mädchen. Jungen wären von Natur aus wettkampforientiert und würden die Auseinandersetzung suchen. Da dies aber gesellschaftlich nicht mehr gewünscht sei, würden sich solche Kämpfe in virtuelle Welten verlagern. Jungen müssten heute ihren Weg finden zwischen den Rollenmodellen Macho und Weichei. Romer stellt sogar eine provozierende These auf: "Jungs, die in Computerspiele fliehen, sind in ihrer Männlichkeitsrolle verunsichert."
Jörg Schamberg