Das Nachrichtenangebot der öffentlich-rechtlichen Sender soll noch ein Stück mobiler werden. Bereits heute bietet die ARD eine Mitnehm-Version der "Tagesschau" an: die
100-Sekunden-Tagesschau. Künftig sollen nun auch die Sendungen der "Tagesthemen" per
UMTS oder als Podcast abrufbar sein.
Vorbote für neue Technik
Das teilte "ARD aktuell"-Chefredakteur Kai Gniffke dem Nachrichtenmagazin "Focus" mit. Derzeit sei man damit beschäftigt, gemeinsam mit Moderator Tom Buhrow
eine Sendung eigens für das mobile Internet zu entwickeln. Gniffke sprach von einer "neuartigen TT-Version fürs Netz", die bereits gesendete Filme und Moderationstexte verwendet. "Das ist kein journalistisch neues Produkt", gab der Chefredakteur Kai Gniffke gegenüber "Focus" an. Man habe die mobilen "Tagesthemen" vor allem auch in Hinblick auf eine neue Studiotechnik produziert, die für 2010 erwartet wird.
Kritik: Dank der Gebührenzahler ins Netz
Der kleine, mobile Bruder der
"Tagesschau". Screenshot: onlinekosten.de
Das Vorhaben der ARD reiht sich in die Pläne zur weiteren Internet-Expansion der Öffentlich-Rechtlichen ein. Erst Mitte Mai hatte der Sender mit der
ARDMediathek.de ein eigenes Video- und Audioportal gestartet – ein vergleichbares Multimedia-Angebot bietet das ZDF schon seit längerer Zeit. Die Verlagerung der Inhalte in das Internet stößt nicht überall auf Begeisterung: Vor allem private Verlage sehen in dem Vorgehen der ARD eine Bedrohung für die eigene Existenz. "Es ist zu befürchten, dass Printmedien in Not geraten", teilte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner in einem Interview dem "Focus" mit. Besonders ärgerlich sei es, dass die öffentlich-rechtlichen Sender die digitale Ausbreitung "mit Hilfe staatlich legitimierter Zwangsgebühren" durchführen würden. Auch aus Brüssel erhielten die Verleger Rückendeckung: "Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum nun mit den vom Gebührenzahler eingezogenen Geldern privaten Verlagen im Internet unlauterer Wettbewerb gemacht werden soll", kritisierte EU-Medienkommissarin Viviane Reding die Pläne in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
André Vatter