Telekom-Vorstandschef René Obermann hat die Mitarbeiter des Unternehmens aufgerufen, mehr Zivilcourage zu zeigen. Sie sollten sich gegen ein mögliches Fehlverhalten von Vorgesetzten und Kollegen stellen, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vor dem Hintergrund des aktuellen Abhörskandals. Finanz-Staatssekretär Thomas Mirow stellte sich hinter den Telekom-Chef.
"Datensicherheit ist das höchste Gut für die Deutsche Telekom. Deshalb muss jedem klar sein, dass die Verletzung des Datenschutzes kein Kavaliersdelikt ist", sagte Obermann. Das gelte für die Weitergabe von Betriebsgeheimnissen, aber "noch viel, viel mehr für den Schutz des Fernmeldegeheimnisses". Obermann ermunterte die Mitarbeiter, in kritischen Fällen nicht zu schweigen, sondern Hinweise weiterzugeben.
Mirow, der die Bundesregierung im Telekom-Aufsichtsrat vertritt, sagte zur Spitzelaffäre: "In Kenntnis dessen, was ich bis jetzt weiß, meine ich, dass Herr Obermann zu jedem Zeitpunkt richtig gehandelt hat." Er selbst sei das erste Mal am 8. Mai über die Angelegenheit informiert worden, fügte Mirow, der sein Amt Anfang Juli aufgibt, im Berliner "Tagesspiegel" hinzu.
Auch Lufthansa unter Spitzel-Verdacht
Neben der Telekom hat nach einem Bericht des "Spiegel" auch die Lufthansa einen Journalisten der "Financial Times Deutschland" ins Visier genommen. Die Fluggesellschaft habe auf diese Weise interne Lecks im eigenen Aufsichtsrat aufspüren wollen. Um Hinweise auf Kontakte des Mannes zu einem Mitglied des Kontrollgremiums zu erhärten, nutzte die Lufthansa demnach interne Passagierdaten des Vielfliegers. Der Mann sei mit einem Lufthansa-Jet nach Hamburg geflogen und habe sich dort in einer konzerneigenen Lounge mit seinem Informanten getroffen.
Das Unternehmen bestätigte dem Bericht zufolge die Aktion und verwies zugleich darauf, dass Fluggastinformationen konzernintern nicht den gleichen Schutz genössen wie etwa Telefondaten. "Bei uns ist nichts Illegales geschehen", sagte ein Lufthansa-Sprecher.