Die neuesten Songs und Kino-Blockbuster: Im Internet sind sie meist schon vor Veröffentlichung zu finden. In
Filesharing-Netzwerken laden Nutzer, bisher meist ohne große Konsequenzen fürchten zu müssen, munter Daten vom und auf die Tauschbörsen-Server.
Polizei greift durch
In Großbritannien griff die Polizei von Cleveland jetzt aber hart durch und verhaftete erstmals normale Nutzer des Filesharing-Netzwerkes OiNK. Nach einem Bericht auf der Webseite des britischen Fernsehsenders BBC mussten fünf Männer im Alter zwischen 19 und und 33 Jahren und eine 28-jährige Frau die Polizisten aufs Polizeirevier begleiten. Die sechs OiNK-Nutzer wurden beschuldigt, Musikstücke bereits vor ihrer offiziellen Veröffentlichung über das Filesharing-Netzwerk verbreitet zu haben. Dadurch sei ein erheblicher Schaden entstanden. Gegen Zahlung einer Kaution wurden die sechs Filesharer wieder auf freien Fuß gesetzt. Eine Anklage wurde bisher nicht erhoben.
Musikindustrie beklagt großen Schaden
OiNK war bereits im Oktober 2007 im Rahmen einer Polizeiaktion
geschlossen worden. Die in Amsterdam stehenden Server waren beschlagnahmt und die Daten gelöscht worden. Die rund 180.000 OiNK-Mitglieder hatten nur auf persönliche Einladung Zugang zu dem Filesharing-Netzwerk erhalten. Mitglieder mussten zudem monatlich eine bestimmte Datenmenge hochladen. Im Gegensatz zu anderen Tauschbörsen war bei der Registrierung jedoch eine gültige E-Mail-Adresse erforderlich. Dies half der Polizei bei der Identifizierung der nun verhafteten Filesharer. Ein Vertreter der britischen Musikindustrie (BPI) sagte, OiNK sei die größte Quelle für noch nicht veröffentlichte Songs gewesen. BPI habe der Polizei bei der Ermittlung geholfen.
Bereits im Februar waren
Pläne der britischen Regierung bekannt geworden, ertappten Filesharen den Internetzugang zu sperren. In Deutschland nimmt die Anzahl der illegalen Downloads inzwischen ab. Im vergangenen Jahr sollen die Deutschen "nur"
312 Millionen Titel illegal herunter geladen haben.
Jörg Schamberg