Donnerstag, 29.05.2008 08:38

FTD: Telekom spitzelte mit versteckter Kamera

aus dem Bereich Sonstiges
Die Deutsche Telekom hat angeblich bereits im Jahr 2000 Spitzelaufträge erteilt, um Informanten aus dem Konzern und missliebige Journalisten zu identifizieren. Die Methoden seien weit über das für die Jahre 2005 und 2006 bekannte Auswerten von Telefonverbindungen hinausgegangen, berichtet die "Financial Times Deutschland".

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Was verheimlicht die Telekom?

Für den ehemaligen Staatskonzern suchte demnach als Subunternehmen die von Ex-Geheimdienstlern gegründete Berliner Wirtschaftsdetektei Desa nach einem Leck. Die Telekom hatte bisher eingeräumt, dass die Telefonverbindungsdaten der eigenen Führungsspitze im großen Stil ausgewertet wurden.

Im Visier der privaten Fahnder habe vor allem der damalige "FTD"-Chefreporter Tasso Enzweiler gestanden, der zu dieser Zeit oft exklusive Geschichten über die Telekom veröffentlicht habe, heißt es in dem Bericht der Zeitung weiter. Über ihn hoffte die Telekom demnach ihre undichten Stellen zu finden. Die privaten Fahnder versuchten dem Bericht zufolge auch, mit versteckter Kamera Hinweise auf Enzweilers Kontaktperson in seinen Redaktionsräumen in Köln zu finden.

"Spiegel Online" berichtete zudem, die Telekom habe auch 2005 eine Detektei beauftragt, einen Informanten in der Redaktion des Kölner Wirtschaftsmagazins "Capital" unterzubringen. Bei der Telekom wollte man sich laut "Spiegel Online" mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht zu dem Bericht äußern.

Telekom verteidigt eigenes Vorgehen

Die Telekom verteidigte ihr Vorgehen in der Spitzelaffäre. Konzernchef René Obermann habe 2007 bei der internen Aufarbeitung der ersten Bespitzelung eines Journalisten im Jahr 2005 "in kritischem Gedankenaustausch" mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden gestanden, der von einem "verfrühten schädlichen Gang an die Öffentlichkeit dringend abgeraten" habe, teilte das Unternehmen mit. Die Abwägung zugunsten des Unternehmens sei dem Management nicht leicht gefallen. "Klar und unbestreitbar ist, dass es eine Pflicht zur öffentlichen Anzeige zu keiner Zeit gab", erklärte der Konzern.
Hayo Lücke / afp
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