Die Deutsche Telekom hat ihr Vorgehen in der Spitzelaffäre verteidigt. Konzernchef René Obermann habe 2007 bei der internen Aufarbeitung der ersten Bespitzelung eines Journalisten aus dem Jahr 2005 "in kritischem Gedankenaustausch" mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden gestanden, "der von einem (..) verfrühten schädlichen Gang an die Öffentlichkeit dringend abgeraten" habe, teilte das Unternehmen am späten Mittwochabend mit. Die Abwägung zugunsten des Unternehmens sei dem Management nicht leicht gefallen. "Klar und unbestreitbar ist, dass es eine Pflicht zur öffentlichen Anzeige zu keiner Zeit gab", erklärte der Konzern zu dem aufgedeckten Skandal.
Obermann bekommt Rückendeckung
"Durch unverzügliche interne Ermittlungen" hätten noch im Jahr 2007 "weitreichende personelle und organisatorische Maßnahmen" ergriffen werden können. "Bei einem von vornherein publizistisch begleiteten staatlichen Ermittlungsverfahren, wie es bei einer frühzeitigen Information des Journalisten unvermeidlich gewesen wäre, wären in diesem Falle nicht so rasch umsetzbare Erkenntnisse zu haben gewesen", hieß es zudem in der Erklärung.
Die Telekom hatte am Wochenende eingeräumt, dass die Telefonverbindungsdaten der eigenen Führungsspitze im großen Stil ausgewertet wurden. Wie der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, sollten damit undichte Stellen im Unternehmen aufgespürt werden. Eine Beratungsfirma habe im Auftrag der Telekom die Datensätze auswerten und mit den Telefonnummern und Verbindungsdaten von Journalisten abgleichen sollen, die auf Telekom-Berichterstattung spezialisiert sind.
Hayo Lücke
/ afp