Der Trend ist in der Musik- und Filmbranche unverkennbar. Hatten noch vor Jahren zahlreiche Musikverlage und Filmstudios auf den Schutz ihrer Werke via Digital Rights Management (DRM) gesetzt, so bröckelt die Front der DRM-Nutzer immer mehr. Die großen Musiklabels wie Warner, EMI, Universal Music, Sony oder auch Apple bieten bereits
Musikstücke ohne Kopierschutz an.
Wasserzeichen als Alternative
Die großen Labels setzen zum Schutz ihrer Werke stattdessen auf
rigorosere Verfolgung von Raubkopierern und File-Sharern. Bislang werden mitprotokollierte IP-Adressen benötigt, um Download-Nutzer zu identifizieren. Einen anderen Weg geht eine Lösung des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informations-Technologie (SIT) in Darmstadt. "Digitale Wasserzeichen werden als Alternative zum DRM als einfach zu handhabendes und zuverlässiges Abschreckungsmittel gegen die unerlaubte Weitergabe von Medien immer populärer", erläutert Martin Steinbach, Experte für Multimedia-Sicherheit beim SIT. Für Hörbücher und Musikstücke hat das SIT ein digitales Wasserzeichen entwickelt, das für Nutzer unsichtbar in die Dateien eingebettet ist. Selbst mit Computerhilfe sind die Differenzen bei Lautstärke und Tonhöhe ohne Kenntnis des Wasserzeichencodes nicht messbar. Das menschliche Ohr kann keine Unterschiede in der Audioqualität feststellen. Für Videos und Bilddateien stellt SIT modifizierte digitale Wasserzeichen zur Verfügung.
Neue Suchsysteme finden illegale Dateien im Netz
Die digitalen Wasserzeichen erlauben ganz neue Wege der Identifizierung von Verbreitern illegaler Kopien. "Die logische Konsequenz der Verbreitung von Audio-Wasserzeichen ist nun die Einführung aktiver Suchsysteme, auf deren Basis automatisiert Inhalte in den verschiedensten Verbreitungswegen des Internets aufgespürt werden können. Dazu zählen nicht nur Tauschbörsen, sondern auch One-Click-Hoster wie Rapidshare", erklärt Patrick Wolf vom SIT.
Eine vom Fraunhofer Institut entwickelte Software könne bereits ganz gezielt potentiell illegale Inhalte im Internet aufspüren. Automatisch kann sich das Programm bei Tauschbörsen als Nutzer registrieren und Inhalte runterladen. Die heruntergeladenen Dateien werden nach digitalen Wasserzeichen abgesucht. Wird die Software fündig, so erlaubt das nicht entfernbare, eingebettete Wasserzeichen Rückschlüsse über die ursprüngliche Quelle der illegalen Kopie. Ohne Probleme lasse sich die Person identifizieren, die die Dateien illegal zum Download eingestellt hat. Das Wasserzeichen enthalte dazu alle notwendigen Informationen. Dies kann natürlich nur funktionieren, wenn diese Person die Musik-CD oder den Film vorher online unter Angabe der korrekten Personalien gekauft hat.
Zusammen mit dem Kooperationspartner Watermark hat SIT bereits erste kommerzielle Produkte mit der neuen Wasserzeichentechnologie entwickelt. Kunden gebe es nach Angaben des Fraunhofer Instituts mittlerweile neben Deutschland auch in den USA, Russland, Indonesien, England, Polen und der Schweiz. Präsentiert werden die SIT-Lösungen auch auf dem Branchenforum "Prävention und Aufklärung" der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechten (GVU) am 5. Juni in Hamburg.