Mittwoch, 28.05.2008 12:31

"Steve Jobs muss stolz sein": Windows 7 vorgestellt

aus dem Bereich Computer
Es gibt nur wenige Geheimnisse auf US-amerikanischen Boden, die so gut behütet werden, wie die Pfeile im Köcher des Softwareriesen Microsoft. Schon mit dem Erscheinen des jüngsten Wurfs, Windows Vista, tauchten die ersten Gerüchte über einen potentiellen Nachfolger auf: Windows Vienna, oder Windows 7, wie das PC-Betriebssystem laut neuen Äußerungen heißen wird, soll der digitale Meilenstein des kommende Jahrzehnts werden – so verspricht es zumindest Microsoft. Umso größer war am Dienstag das Medieninteresse, als sich die Chefs aus Redmond, Bill Gates und Steve Ballmer höchstpersönlich, die Ehre bei der Wall Street Journal D-Conference in Kalifornien gaben, um in geselliger Runde ein wenig über die Zukunftspläne und -produkte des Konzerns zu plaudern.

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"Vista ist kein Flop"

"Vista ist kein Flop", sah sich Ballmer gleich zu Beginn der Gesprächsrunde zur Verteidigung veranlasst. "Gibt es Dinge, die wir noch verbessern möchten? Natürlich. Gibt es etwas, was wir mit dem Wissen von heute anders gemacht hätten? Klar! Aber Vista ist ein Verkaufsschlager." Auf die Frage, wie viele Exemplare des Betriebsystems denn bis heute verkauft wurden, gab Ballmer ausweichende Antworten. Gates, im Sessel zurückgelehnt, machte einen deprimierten Eindruck. "Unsere Philosopie ist es, Dinge immer besser zu machen", sagte der ehemalige Chef und jetzige Aufsichtsratsvorsitzende von Microsoft. "Und Vista hat uns für dieses Anliegen viele Gelegenheiten geboten." Sobald das Gelächter im Plenum verebbte, war es Zeit, zum neuen Prunkstück im künftigen Produktplan vorzurücken. "Was Sie heute sehen werden, ist nur ein winziger Ausschnitt von Windows 7", kündigte Ballmer die Präsentation an.

"Steve Jobs muss so stolz sein"

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Die Gäste Gates und Ballmer im Gespräch
Bild: AllthingsD.com
Die Werkschau findet auf der berührungsempfindlichen Oberfläche des auf der CeBIT vorgestellten Multimedia-Tisches "Microsoft Surface" statt. Windows 7 wird volle Unterstützung für "Multi-Touch" mitbringen, was die Bedienung und Befehlseingabe ohne Tastatur möglich macht. Zu Demonstrationszwecken wird das neue Programm "Touchable Paint" gestartet, mit dem sich mittels weniger Fingerstreiche ein Baum zeichnen lässt. Beeindruckender scheint die ebenfalls neue Galeriefunktion zu sein: Bilder werden mit dem Finger gezogen und sortiert, beim Spreizen zweier Finger zoomt das Programm heran, schiebende Zeigefingerbewegungen bieten einen blätternden Überblick über die Fotosammlung. Mit Windows 7 will Microsoft die Digitalfotographie zu einem haptischen Erlebnis machen – übrigens in Hinblick auf das iPhone nicht das einzige Feature, das Microsoft sich von den Kollegen von Apple geborgt hat, wie ein Beobachter anmerkt. Windows 7 wird ebenso über einen Klon der Schnellzugriffsleiste "Apple Dock" verfügen. "Multi-Touch und Dock. In Windows. Steve Jobs muss so stolz sein", bemerkt John Paczkowski, Redakteur des Gastgebers "Wall Street Journal".

Windows Server 2008-Kernel als Grundlage

Sowohl Gates als auch Ballmer verlieren nicht viele Worte über die eigentliche Substanz von Windows 7. Dafür hatte die Chefetage zeitgleich zur Veranstaltung den Oberentwickler von Microsoft, Steven Sinofsky, in die Medien geschickt. Im Branchenmagazin C-Net referierte er gestern ein wenig über die eigentlichen technischen Hintergründe: "Was wir wissen: sämtliche Treiber und Programme, die unter Windows Vista laufen, werden auch mit Windows 7 funktionieren. In dieser Hinsicht arbeiten beide gleich." Das Herzstück von Windows 7 wird ein alter Bekannter sein, da es auf dem Windows Server 2008-Kernel aufsatteln wird, den Sinofsky bereits als Weiterentwicklung des Kernels von Windows Vista versteht.


Videopräsentation: Multi-Touch in Windows 7


"Um die Kompatibilität zu erhalten, planen wir weiterhin sowohl eine 32 Bit- als auch eine 64 Bit-Version", verrät der Programmierer. Bei Microsoft ginge man insgeheim davon aus, dass zum Zeitpunkt des Erscheinens jedoch eine Vielzahl von Nutzern auf 64 Bit umgestiegen ist. Der genaue Zeitpunkt für die Veröffentlichung stehe jedoch noch nicht fest. Sinofsky dementierte die Nachricht, dass es schon im nächsten Jahr soweit sein könnte. Mit Windows 7 sei frühestens ab Januar 2010 in den Regalen der Händler zu rechnen.
André Vatter
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    Zuletzt kommentiert von Betamax am 28.05.2008 um 15:57 Uhr
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