Die heftig geführte Schlacht um die
Übernahme des Mobilfunkkonzerns debitel durch die Büdelsdorfer
freenet AG neigt sich dem Ende entgegen. Der größte freenet-Anteilseigner United Internet musste sich trotz starker Gegenwehr
vorerst geschlagen geben. Das Landgericht Kiel hatte in diese Woche eine von United Internet beantragte einstweilige Verfügung gegen den debitel-Deal
abgelehnt. United Internet prüft jedoch weitere gerichtliche Schritte.
Kartellamt gibt grünes Licht
Auch von anderer Stelle erhält freenet-Vorstandsvorsitzender Eckhard Spoerr derzeit gute Nachrichten. Das Bundeskartellamt hat am Dienstag die debitel-Übernahme durch freenet freigegeben. "Wir freuen uns, dass das Kartellamt nun den Weg für die weiteren Schritte im Hinblick auf den Vollzug der Transaktion geebnet hat", sagte Spoerr in einer ersten Reaktion.
Steiniger Weg zur Übernahme
Der Weg bis hierhin war gespickt mit Hindernissen. Insbesondere Ralph Dommermuth, Vorstandsvorsitzender der United Internet AG, hatte sich mit Spoerr in den letzten Wochen einen
öffentlichen Schlagabtausch geliefert. United Internet hatte zusammen mit
Drillisch auf eine Aufspaltung von freenet hingearbeitet. Die Muttergesellschaft des DSL-Providers
1&1 sollte die DSL-Sparte übernehmen, der Mobilfunksektor sollte an Drillisch gehen. Durch geschicktes Taktieren gelang es Spoerr jedoch, freenet weiterhin selbst handlungsfähig zu halten und United Internet mit dem debitel-Kauf zu überraschen.
freenet Hauptversammlung im Fokus
Mit der Übernahme von Debitel entsteht der größte netzunabhängige Telekommunikationsanbieter in Deutschland. Spoerr gibt sich selbstbewußt: "Unser Ziel ist es, die Nummer Eins-Vertriebsplattform für sämtliche Produkte der Telekommunikation zu sein." Ehe freenet jedoch eine solche Position erreicht, muss die Übernahme komplett in trockenen Tüchern sein. Nun sind auch zwei Mobilfunknetzbetreiber, unter anderem E-Plus, auf den Plan getreten und fordern von freenet
hohe Bürgschaften in zweistelliger Millionenhöhe. E-Plus sei besorgt über die hohen Schulden in Höhe von rund 1,1 Milliarden Euro, die freenet von debitel übernommen hat. Die Forderung von Bürgschaften sind in der Mobilfunkbranche aber nicht ungewöhnlich.