Mobbing unter Schülern ist bereits in aller Munde - aber auch vor dem Lehrerpult macht der Trend nicht Halt: fast jeder zehnte Pädagoge ist Zielscheibe von Erniedrigungen im Internet, so die Lehrergewerkschaft GEW und der Philologenverband. Auch Eltern und andere Lehrer beteiligen sich vereinzelt an der Hetztjagd, wie aus einer Studie der GEW hervorgeht.
50.000 Pädagogen betroffen
Während die GEW von 50.000 Lehrer-Opfern des "Cyber-Mobbing" spricht, nennt der Philologenverband 60.000 Betroffene und fordert
eine Nachbesserung des Telemediengesetzes. Die Internetplattform-Betreiber dürften sich nicht von der
Mithaftung freizeichnen. Andernfalls seien Zustände wie in England und den USA zu befürchten, wo inzwischen ein Viertel der Lehrer unter Cyber-Mobbing leidet.
Die Formen sind vielfältig: Lehrer werden zum Beispiel mit schmutzigen SMS belästigt oder in peinlichen Situationen bis hin zu nachgestellten Exekutionen gefilmt. Die Videos stehen dann für alle zugänglich im Internet zum Herunterladen bereit.
Die GEW hatte nach Informationen der "Tageszeitung" (taz) im Rahmen ihrer Studie 4.000 Mitglieder angeschrieben, von denen sich jedoch nur 500 Lehrer und Lehererinnen beteiligten.
Als Folge des Mobbings berichten Betroffene von Schlafstörungen, Frühpensionierungen oder einem Schulwechsel nach Mobbing- Vorfällen.
Die meisten Lehrer stellen die Täter zur Rede und können viele auch zur Einsicht bewegen. Andere informieren Schulleitung oder sogar die Polizei.
Manche gaben aber auch an, gar nichts unternommen zu haben.
Mehr Hilfe gefordert
Der Philologenverband forderte mehr Ansprechpartner und Hilfeleistungen für betroffene Lehrer wie dies ansatzweise in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen umgesetzt werde.
Die GEW hingegen will das Problem nicht dramatisierenund hofft, ihm mit einem schriftlichen Verhaltenskodex von Lehrern, Eltern und Schülern beikommen zu können,
den es an einigen Schulen bereits gibt.