Die Entscheidung der Bundesnetzagentur, dass die Deutsche Telekom IP-Bitstrom-Zugänge und in diesem Zusammenhang entbündelte DSL-Anschlüsse künftig ab einem
Preis von 19,05 Euro zur Verfügung stellen muss, hatte in der Folge für viel Lob, aber auch für viel Kritik gesorgt. Vor allem die Branchenverbände reagierten mit
großer Empörung auf die veranschlagte Monatsgebühr. Der Tonus: Warum sollen Telekommunikationsanbieter noch in eigene Netze investieren, wenn sie Anschlüsse zum Schleuderpreis von der Telekom mieten können? Erstmals äußert sich nun der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, persönlich zu den Vorwürfen der Wettbewerbsverzerrung.
Chancen fürs Land
In einem Interview mit dem Magazin "Spiegel" räumt Kurth ein, dass sich durch die Entscheidung nur wenig in größeren Städten verändern wird: "Anbieter wie Arcor oder Telefonica haben dort bereits eigene Netze - möglich, dass sie Kapazitäten auch an Dritte günstiger anbieten können als die Telekom." Auf dem Land und in digital unterversorgten Gemeinden sähe die Situation jedoch anders aus. Erst durch die Öffnung des Bitstrom-Zugangs könnten Unternehmen den Nutzern dort Produkte anbieten. Seiner Meinung nach geben entbündelte Anschlüsse in diesen Regionen zudem "Anreize für zusätzliche Aktivitäten".
"Eigene Netze lohnen sich auch künftig."
Regulierungschef Kurth.
Bild: Bundesnetzagentur
Kurt verwahrt sich gegen die die Kritik, investitionswilligen Anbietern die Motivation zum Ausbau der eigenen Netze zu nehmen: "Das höre ich immer wieder und fast bei jeder Entscheidung aufs Neue. In diesem Fall war die Kritik übrigens deutlich verhaltener als erwartet. Wir haben genau berechnet, dass der finanzielle Anreiz noch da ist. Die Miete für den Bitstrom-Zugang ist nahezu doppelt so hoch wie die für die bloße Teilnehmeranschlussleitung (TAL). Eigene Netze werden sich also auch künftig lohnen."
TAL auf dem Prüfstand
Die Deutsche Telekom berechnet für die Bereitstellung der TAL, der sogenannten "Letzten Meile", derzeit eine Gebühr in Höhe von 10,50 Euro pro Monat. Auch dieser Betrag soll im kommenden Jahr auf den Prüfstand: "Wir schauen da fast auf jede einzelne Schraube. In zehn Jahren ist das Entgelt, das die Telekom erhält, um zirka zwei Euro zurückgegangen. Im nächsten Jahr entscheiden wir neu", verspricht der Behördenchef.