Mittwoch, 28.05.2008 08:01

Exklusiv-Interview: Virenjäger gestern und heute

aus dem Bereich Computer
onlinekosten.de: Wie hat sich die Situation aus Ihrer Sicht seit damals entwickelt und wie hat Ihr Unternehmen darauf reagiert?

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Skúlason: Die Entwicklung ist so rasant gewesen, dass die Leute in der Antiviren-Branche grundsätzlich nicht in der Lage waren, Vorhersagen über mehr als ein paar Jahre in die Zukunft zu machen. Manche Entwicklungen haben wir erwartet, bevor sie eintrafen, aber andere waren eine Überraschung. Doch es gab auch Veränderungen, die wir erahnt haben, und die nie eingetreten sind – und da manche davon wahre Computer-Albträume waren, können wir dankbar sein, dass unsere Vorhersagen falsch waren.

Wir haben neue Malware-Technologien auftauchen und andere verschwinden sehen, aber eines blieb die ganze Zeit konstant – die Zahl der Malware-Daten wächst ständig weiter und verdoppelt sich jedes Jahr. Während 1989 noch selten neue Viren auftauchten und Antivirenfirmen den Luxus genossen, jeden Schädling im Detail zu analysieren, erhalten die Unternehmen heute 10.000 und mehr verschiedene Schadprogramme jeden Tag. Wir müssen also weitaus effektivere Methoden im Umgang mit Malware entwickeln.

onlinekosten.de: Dienste per Web nehmen rasant zu: Statt nur Internetseiten zu lesen und E-Mails zu schreiben, können wir heute übers Netz telefonieren, fernsehen, spielen und Freunde treffen. Auch die Geräte mit Internetzugang werden immer zahlreicher und vielfältiger. Wie wird sich das aus Ihrer Sicht auf die Zukunft der Sicherheit im Netz auswirken?

Skúlason: Wir beobachten ebenfalls, dass Malware immer mehr neue Kanäle nutzt. Sie ist nicht mehr länger auf simple ausführbare Dateien beschränkt. Zuerst hatten wir Viren, die Microsoft Office Dokumente infiziert haben, später bekamen wir es mit Malware zu tun, die diverse Sicherheitslücken nutzt, um jede Art von Datei zu infizieren – alles, vom animierten Cursor bis zur Grafik.

Malware hat sich außerdem auf andere Plattformen ausgeweitet, über reguläre Computer hinaus. Es gibt Viren für verschiedene Telefonmodelle und je mehr Geräte erscheinen, die kommunizieren und Daten speichern können, desto mehr neue Technologien nutzen auch die Virenschreiber, um ihre Programme unters Volk zu bringen.

onlinekosten.de: Aktuellen Untersuchungen zufolge sollen mittlerweile 70 Prozent des Mail-Verkehrs Spam sein. Wie, denken Sie, wird sich das auf E-Mail als Kommunikationsmittel auswirken? Kann diese ungeheure Spamflut das Internet ernstzunehmende Schwierigkeiten bereiten und wie kann sie gestoppt werden?

Skúlason: Nein, ich denke nicht, dass es da wirklich zu ernstzunehmenden Problemen kommt. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass es sich nicht ausschließlich um ein technisches Problem handelt. Es gibt Malware, die so genanntes Social Engineering nutzt und versucht, Nutzer zu betrügen, vergleichbar mit bekannten Spam-Mails vom "Nigerianischen Schwindler". Solange es Leute da draußen gibt, die technisch unwissend, leichtgläubig oder einfach habgierig und leicht zu täuschen sind, wird auch jemand einen Weg finden, die Situation auszunutzen. Wenn der Nutzer dazu gebracht werden kann, ein Schadprogramm zu starten, kann eine technische Lösung nicht wirklich helfen.

Wenn das nun mit dem Fakt kombiniert wird, dass das Internet fundamental unsicher ist, in dem Sinne, dass die Grundarchitektur eigentlich keine Authentifizierung unterstützt, dann erhält man die Situation, wie sie heute vorliegt, mit Zombie-Netzen und einem massiven Spam-Aufkommen.

Wie ich bereits sagte, ich glaube nicht, dass das Problem einfach verschwindet – tatsächlich erwarte ich sogar, dass es noch schlimmer wird. Aber ich gehe auch davon aus, dass Antivirenhersteller dazu in der Lage sein werden, mit passenden Gegenmaßnahmen zu reagieren, genau so, wie sie es die vergangenen 19 Jahre getan haben.
Aleksandra Leon
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