Die Fußballeuropameisterschaft naht mit großen Schritten. Werbung allerorten, doch Anzeigen für das neue Handy-TV sucht man vergebens. Erst nach der EM
plant der Betreiber Mobile 3.0 eine flächendeckende Ausstrahlung. Mobilfunknetzbetreiber und Breitbandanbieter
Vodafone hält das Fernsehen via Handy-Display als kostenpflichtiges Abonnementmodell dagegen für gescheitert.
Kaum Chancen für Mobile 3.0
In einem Interview mit der "Financial Times Deutschland" (FTD) vertrat Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich Joussen die Ansicht, dass das Handy-TV in der derzeit von Mobile 3.0 geplanten Form kaum Chancen auf Durchsetzung im Markt hat. Zumal seit kurzem etwa Handyhersteller LG DVB-T-Handys wie das
LG HB620T auf dem Markt einführt. Auch Vodafone
vertreibt dieses Modell, mit dem Fernsehen auf dem Display des Mobiltelefons kostenlos möglich ist. "Diese Geräte kamen überraschend und stellen ein kostenpflichtiges Abomodell infrage", so Joussen. Der Vodafone-Chef machte außerdem klar, dass er mit seinem Unternehmen, das geplante Handy-TV nicht künstlich am Leben halten werde. "Ich werde auch kein Bezahl-TV auf dem Handy unterstützen, solange die Gefahr besteht, dass Kunden dann weniger Geld für andere Dienste ausgeben", denkt Joussen dabei auch an Auswirkungen auf die Zusatzdienste, die Vodafone bisher schon seinen Kunden anbietet.
Im letzten Jahr war Vodafone zusammen mit T-Mobile und o2 bei der Lizenzvergabe für die Ausstrahlung von Handy-TV via DVB-H
gescheitert. Diese Rechte wurden an das Mobile 3.0 Konsortium
vergeben, hinter denen die Medienkonzerne Holtzbrinck und Burda stehen.
Vodafone plante werbefinanziertes DVB-H
Vodafone hätte sich ein werbefinanziertes Handy-TV vorstellen können, doch sei dies an der Ablehnung der Medienwächter gescheitert. Zu einem möglichen Markttest sei der Düsseldorfer Mobilfunker bisher seitens Mobile 3.0 noch nicht angesprochen worden. Der Mobilfunkriese plane durch Zusatzdienste an mobilem TV zu verdienen. Denkbar sei die Bereitstellung einer intelligenten Software . "Die bietet eine Wiederholfunktion oder die Möglichkeit, Produkte und Dienste zu kaufen, die gerade im TV gezeigt worden sind" erläutert Joussen eventuelle Anwendungsmöglichkeiten.
Kunden sollen zu Fans werden
Joussen äußerte sich gegenüber der FTD auch zu den weiteren Plänen von Vodafone Deutschland zur besseren Positionierung der Marke Vodafone. Aus Kunden sollen Fans werden. Dazu sei ein "Inspired" benanntes Programm entwickelt worden, dass die Kunden für Vodafone begeistern und sie enger an das Mobilfunkunternehmen binden soll. "Fans sind treu, weniger preissensibel und wechseln seltener zu Wettbewerbern", so Joussen.
Auch der kürzlich
komplett übernommene DSL-Anbieter
Arcor solle dazu einen Beitrag leisten. Die Zusammenführung beider Unternehmen sei auf einem guten Weg, auch wenn sie bis zu einem kompletten Abschluss noch mehrere Jahre benötige. Der Name Arcor werde dann verschwinden, Vodafone zu einem Komplettanbieter ausgebaut, der im DSL-Sektor einen Marktanteil von rund 20 Prozent anstrebe. Aktuell betreibt Vodafone, vor allem über seine Tochter Arcor, etwa 13 Prozent der DSL-Anschlüsse in Deutschland.