Montag, 26.05.2008 17:32

Exklusiv: Virenjäger an der Schädlingsfront

aus dem Bereich Computer
Die Welt der digitalen Schädlingsbekämpfer ist komplex geworden: Spezielle Tools sorgen heute dafür, dass die Malware im Minutentakt variiert wird, was die Erkennung schwierig gestaltet. Die Ressourcen der Antivirenhersteller sind beschränkt, das wissen die Entwickler der Schadprogramme, die mit ihrer Strategie versuchen, eine Systemüberlastung zu erzeugen und die Virenjäger schlichtweg mit Masse zu übervorteilen. Mit den neuen Bedrohungen muss sich auch die Technik anpassen: Während früher exakte Profile zur Erkennung von Schadprogrammen ausreichten, spielt inzwischen bei FRISK die heuristische Erkennung eine immer wichtigere Rolle. Am meisten empfiehlt sich die so genannte Multilayer Detection, also ein mehrschichtiges Programm, das verschiedene Erkennungstechniken kombiniert. Diese Vorgehensweise ist aber rechenintensiv und verlangt dem Nutzer einige Fachkenntnisse ab, weil es oft an ihm ist, selbst über "Gut und Böse" zu entscheiden. Wirklich 100-prozentige Sicherheit gibt es heute für kein System.

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Problem "vor der Tastatur"

"Ein wesentliches Problem in der Bekämpfung von Malware befindet sich oft vor der Tastatur," so Skúlason gegenüber onlinekosten.de. Die elegante Umschreibung eines wesentlichen Faktors: Oft ist es nämlich schlicht die Unkenntnis des Nutzers selbst, die für den Erfolg von Malware sorgt. Zum Beispiel Spam: Würde wirklich jeder die unerwünschten Werbebotschaften ungelesen löschen, wäre die Erfolgsgeschichte des Spam zu Ende. Wenn aber nur einer von 10.000 auf die schädliche Post hereinfällt, ist das "Businessmodell" erfolgreich und für dessen Entwickler profitabel. Und Spam hängt eng mit Malware zusammen, denn meist ist die Werbung für Viagra und Co. nur die Verpackung für Viren, Trojanische Pferde, Würmer und Spyware.

So sorgt bereits ein simpler Mausklick auf einen fragwürdigen Link dafür, dass Passwörter ausspioniert, Daten gestohlen oder gar ganze Rechner gekidnappt und in so genannte Botnets integriert werden, die wiederum dazu genutzt werden, Schädlinge zu verbreiten oder großflächige Angriffe zu starten. Und das alles im Namen des Profits: Waren es früher ein paar wenige Schüler und Studenten, die Viren zwecks Bekanntheit oder einfach nur aus Spaß programmierten, liegt heute die Vermutung nahe, dass Cyberattacken und das organisierte Verbrechen, insbesondere in Osteuropa, an einem Strang ziehen – einen Beweis gibt es dafür bislang jedoch nicht.

Global agierende "Malwareindustrie"

Fest steht, dass die Malware-Produzenten mittlerweile professionell durchorganisiert sind, wie global agierende Unternehmen. Sie passen sich an ihre Märkte an: So gibt es beispielsweise regionale Unterschiede. Während in China und Korea, wo Onlinespiele sehr stark verbreitet sind, vor allem die Games als Einfalltor für Malware missbraucht werden, sind in Deutschland insbesondere Dialer sehr "beliebt". Auch kommen manche Bedrohungen schlichtweg aus der Mode. Waren Mitte der 90er Jahre vor allem Bootsektor-Viren ein Problem, wurden sie später von Makroviren abgelöst. Die Schädlingsprogrammierer richten sich danach, welche Systeme vielfach im Einsatz sind. Neue Techniken werden Ziel von Malware, sobald Angriffe profitabel werden. So liegt es nahe, dass künftig beispielsweise auch Handys zur Zielscheibe werden. Es sei denn, die Systeme werden stark eingeschränkt. Wie Symbian: Das Handybetriebssystem lässt nur die Ausführung von offiziell lizenzierter Software zu, was Malware aussperrt – aber eben auch frei programmierte Anwendungen. Die digitale Schädlingsbekämpfung geht also weiter und wird künftig noch viele unangenehme Überraschungen aufdecken.
Aleksandra Leon
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