Porno- und Gewaltvideos sind an Schulen allgegenwärtig. Davon ist der
Deutsche Philologenverband überzeugt. Zugleich warnen die Bildungsexperten vor den möglichen Folgen und weisen in diesem Rahmen als Ursache auch auf einen unzureichenden Jugendschutz im Internet hin.
Jugendgefährdendes Material
Aus pädagogischer und jugendpsychologischer Sicht sei es sehr problematisch, dass Kinder und Jugendliche immer früher mit
jugendgefährdendem Bild- und Textmaterial aus dem Internet konfrontiert seien, warnt der Verbandsvorsitzende Heinz-Peter Meidinger. Diese Entwicklung sei besonders intensiv an den Schulen spürbar. Immer häufiger berichteten Betroffene und Lehrer von Vorfällen, bei denen in Schulpausen bzw. vor und nach dem
Unterricht Porno- und Gewaltvideos auf Handys gezeigt oder via Bluetooth zum Herunterladen von Mitschülern angeboten werden.
Zu wenig Jugenschutz im Internet
"Tatsache ist, dass der
Jugendschutz im Internet praktisch nicht mehr existent ist", betont Meidinger. Es gehöre heute schon fast zum Allgemeinwissen, insbesondere von Jungen ab zwölf Jahren, wie und wo man im Internet oder über Freunde ohne Schwierigkeiten an problematische Inhalte wie sehr extreme Sexualitätsdarstellungen und brutale Bilddateien und
Spielsequenzen komme. Pädagogen registrierten dies bei Schülern unter anderem auch durch den Gebrauch von einschlägigen Ausdrücken und Schimpfwörtern aus diesem Bereich. Andere Folgen seien wesentlich schlimmer. So kann nach Auffassung von Jugendpsychologen ein zu früher Kontakt mit extremen Porno- und Gewaltdarstellungen die Entwicklung einer gefestigten und gesunden Einstellung zur Sexualität nachhaltig und teilweise dauerhaft beschädigen.
Politiker, Eltern und Lehrer müssen reagieren
Um diesem "Trend" entgegen zu wirken, müsse eine umfassende pädagogische und erzieherische Offensive gestartet werden, um zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche mit dieser Entwicklung allein gelassen werden. Gefordert seien Politik, Lehrer und Eltern gleichermaßen, so der Deutsche Philologenverband. Zwar sei es eine Illusion zu glauben, durch gesetzliche Verbote wäre dieses Problem zu lösen, das heiße aber nicht, dass nicht zum Beispiel über eine stärkere politische Einflussnahme auf Suchmaschinen und die obligatorische Integration von
Schutzfiltern in Computerbetriebssystemen Verbesserungen erzielbar seien. Auch an die Eltern appellieren die Bildungsexperten: "Väter und Mütter müssen sich dafür interessieren, was sich in den Köpfen, auf den Computern und auf den Handys ihrer Söhne und Töchter abspielt!" Zum anderen dürfe es keine Toleranz geben, wenn Porno- oder Gewaltvideos auf
Speichermedien in die Schule mitgebracht werden. Wer damit von Lehrern erwischt werde, müsse mit empfindlichen Strafen rechnen.