Nach der gescheiterten Übernahme des Internetportals Yahoo gibt der US-Softwareriese Microsoft noch nicht auf. Der Konzern strebe derzeit zwar keine Übernahme, dafür aber eine andere Form der Zusammenarbeit mit Yahoo an, teilte Microsoft am Sonntag mit. Ziel sei es, "die Online-Dienste und das Anzeigengeschäft zu verbessern und auszubauen", hieß es weiter. Wie die Alternative zur Übernahme genau aussehen könnte, schreibt Microsoft aber nicht. Das "Wall Street Journal" berichtete allerdings, Microsoft habe Yahoo einen Kooperationsvertrag vorgeschlagen, demzufolge Yahoo Anzeigen von Microsoft in seiner Suchmaschine schalten solle.
Kauf weiter ungwiss
Eine Übernahme von Yahoo zum jetzigen Zeitpunkt schließt Microsoft in seiner Mitteilung aus. Das Softwareunternehmen aus Redmond behält sich allerdings vor, diese Alternative "abhängig von der zukünftigen Entwicklung" wieder zu erwägen. Dies hänge auch vom Fortgang der Gespräche mit dem Internetportal ab, die der Mitteilung zufolge bereits begonnen haben. Microsoft hatte im Februar rund
45 Milliarden Dollar (30 Milliarden Euro) für Yahoo geboten, was die Yahoo-Führung aber als zu niedrig ablehnte. Microsoft zog sein Angebot daraufhin vergangene Woche
zurück, erklärte aber, den Übernahmeplan noch nicht ganz aufgegeben zu haben.
Gemeinsam gegen Google
Durch eine Zusammenarbeit mit Yahoo dürfte Microsoft sich eine bessere Position in der Konkurrenz mit dem Internetgiganten Google erhoffen. Schon das Übernahmeangebot im Februar hatte der Softwareriese so begründet. Google beherrscht den wachsenden Markt für Internetwerbung, gefolgt von Yahoo und Microsoft. Auch gemeinsam könnten Microsoft und Yahoo allerdings Google nicht einholen. Internetwerbung gewinnt immer mehr an Bedeutung: Da viele Dienste kostenlos angeboten werden, müssen diese durch Werbung finanziert werden. Das gilt zunehmend auch für Software, das ursprüngliche Microsoft-Kerngeschäft: Sie wird verstärkt kostenlos im Netz angeboten - werbefinanziert.
Kooperation mit dem Erzrivalen
Während des Abwehrkampfes gegen Microsoft hatte Yahoo zeitweise selbst mit dem Erzrivalen Google kooperiert. Mehrere Wochen lang erschienen in der Yahoo-Internetsuche Anzeigen von Google - also dort, wo laut "WSJ" in Zukunft Microsoft seine Anzeigen platzieren will. Die Zusammenarbeit mit Google würde Yahoo Berichten zufolge unter Umständen auch gerne fortsetzen. Unklar ist allerdings, ob die Kartellbehörden dem zustimmen würden. Nun verkündete Yahoo auch, das Unternehmen prüfe die von Microsoft angebotenen Alternativen, denen es offen gegenüberstehe. Maßgabe sei allerdings der Nutzen für die Aktionäre des Internetportals.
Einen Rückschlag dürften die neuen Gespräche zwischen Microsoft und Yahoo für den Milliardär Carl Icahn bedeuten. Dieser hatte zuletzt versucht, Druck auf die Führung von Yahoo zu machen und eine
Übernahme durch Microsoft doch noch zu erreichen. Dafür hatte sich der Investor nach eigenen Angaben mit zunächst rund vier Prozent bei Yahoo eingekauft und angekündigt, auf der Yahoo-Hauptversammlung Anfang Juli den Yahoo-Verwaltungsrat mit seinen Getreuen besetzen wollen. Icahn ist dafür bekannt, sich in Unternehmen einzukaufen, die in Schwierigkeiten stecken, um deren Strategie zu beeinflussen. Yahoo hatte das Vorgehen Icahns zurückgewiesen.