Die Führung des Internetportals Yahoo hat sich gegen
Bestrebungen des Milliardärs Carl Icahn gewandt, das Unternehmen doch noch an den Softwareriesen Microsoft zu verkaufen. In einer Antwort auf einen offenen Brief Icahns kritisierte der Chef des Yahoo-Verwaltungsrats, Roy Bostock, der Milliardär verstehe das Angebot von Microsoft offenbar "deutlich" falsch. Auch unterschätze Icahn die Gründlichkeit, mit der das Yahoo-Management das Übernahmeangebot geprüft habe.
Rückzug von Microsoft
Kritik übte Bostock weiter am Vorgehen Icahns. Dieser hat sich nach eigenen Angaben bereits mit vier Prozent bei Yahoo eingekauft und will den Verwaltungsrat des Internetportals mit eigenen Leute besetzen. Er argumentiert, Yahoo habe nur gemeinsam mit Microsoft eine Chance, dem Internetgiganten Google zu trotzen. "Wir glauben nicht, dass es im besten Interesse der Yahoo-Aktionäre ist, Ihnen und Ihren handverlesenen Nominierten zu ermöglichen, die Kontrolle über Yahoo zu übernehmen", schrieb Bostock. Weiter betonte er, Microsoft habe sein Angebot für Yahoo inzwischen offiziell
zurückgezogen.
Großaktionär unterstützt Kurs von Icahn
Icahn ist bekannt dafür, sich in Unternehmen einzukaufen, die in Schwierigkeiten stecken, um deren Strategie zu beeinflussen. Der US-Milliardär hofft auf die Unterstützung anderer Aktionäre, die mit dem Yahoo-Management unter Gründungschef Jerry Yang unzufrieden sind und einen Zusammenschluss mit Microsoft anstreben. Als Unterstützer für die Pläne Icahns hat sich laut "Financial Times Deutschland" (FTD) nun in der Tat ein weiterer Yahoo Großaktionär stark gemacht. "Wir haben vor, die Icahn-Kandidaten zu unterstützen, hoffen aber aufrichtig, dass Yahoo mit Microsoft über eine Übereinkunft verhandeln wird, wodurch ein Kampf um das Board nicht nötig wäre" gab der Hedge-Fonds Paulsen & Co. bekannt. Ende März besaß der Finanzinvestor rund 3,5 Prozent der Yahoo Aktienanteile.
Microsoft hatte im Februar rund
45 Milliarden US-Dollar (30 Milliarden Euro) für Yahoo geboten. Dieses Angebot hatte die Yahoo-Führung
zurückgewiesen und argumentiert, das Angebot sei zu niedrig. Microsoft zog sein Angebot daraufhin vergangene Woche zurück, erklärte aber, die Übernahme noch nicht ganz aufgegeben zu haben.