Am gestrigen Abend hat der Bundestag für die Umsetzung des umstrittenen
Entwurfs im Kampf gegen Killerspiele gestimmt. Der Kriterienkatatolg für das Verbot sogenannter "Killerspiele" und Gewaltfilme wird kräftig erweitert.
Rache verboten
Künftig landen alle Spiele auf dem Index, die "besonders realistische, grausame und reißerische Darstellungen selbstzweckhafter Gewalt beinhalten, die das Geschehen beherrschen". Auch Medien in denen "Gewalthandlungen wie Mord- und Metzelszenen selbstzweckhaft und detailliert dargestellt werden" oder "Selbstjustiz als einzig bewährtes Mittel zur Durchsetzung der vermeintlichen Gerechtigkeit nahe gelegt wird", werden in Zukunft als jugendgefährdend indiziert.
Zur besseren Kontrolle wird die Alterskennzeichnung auf Spielen und Filmen deutlich vergrößert und soll auf der Vorderseite nun mindestens einen Platz von 1.200 Quadratmillimetern einnehmen.
Lebhafte Debatte
Dabei wurde die Diskussion nicht so sachlich geführt, wie der Bürger es vielleicht erwartet hätte: Lothar Bisky (Die Linke) sah die Änderung skeptisch. Falls der Entwurf angenommen wird, "würde demnächst mancher Film etwa mit Charles Bronson auf dem Index stehen. Nun kann ich mir gut vorstellen, dass manche von Ihnen den Film "Ein Mann sieht rot" verbieten wollen. Ich möchte dies nicht." Ute Kumpf (SPD) quittierte Biskys Aussage humorvoll: "Ha, ha, ha! Das ist eine ganz billige Nummer!".
Weiterhin sagte Bisky, "der oft behauptete wissenschaftliche Nachweis eines Zusammenhangs von virtuellem Spiel und realer Gewalt ist nichts anderes als ein Mythos" und gab bekannt, dass Die Linke das Gesetz ablehnt.
Auch Bündnis 90/Die Grünen hält den Entwurf für unzureichend und schlägt weitere Maßnahmen wie mehr Kontrollen und höhere Bußgelder vor.
Denk doch mal einer an die Kinder
Das Schlusswort hatte Kerstin Griese von der SPD: "Ich will noch ausdrücklich sagen, dass Computerspiele nicht per se dumm machen. Es gibt auch sehr viele pädagogisch wertvolle Spiele. Aber wir müssen die Augen offen halten, wenn Kinder und Jugendliche in Parallelwelten abtauchen. Deshalb brauchen wir einen positiven Jugendschutz, der junge Menschen vor Bildungsarmut,vor Perspektivlosigkeit und vor Langeweile bewahrt."
Richtig so, aber auch hier heiligt der Zweck nicht die Mittel. Eine sofortige Indizierung beinhaltet auch ein Werbeverbot womit ein kommerzieller Erfolg fast ausgeschlossen ist. Viele Film- und Spiele-Publisher werden sich eine Veröffentlichung in Deutschland dann wohl mindestens zweimal überlegen.