Nachdem die
Übernahme des Mobilfunkunternehmens
debitel durch
freenet Sonntagnacht bekannt wurde, warteten Branchenbeobachter in ganz Deutschland gespannt auf eine Reaktion aus Montabaur. Die dort sitzende United Internet AG hatte als Großaktionär in den letzten Wochen immer wieder nach freenet gegriffen und dabei
Angebote und Drohungen stetig erhöht – vergeblich, wie es nun aussieht.
"Gegen den Willen der Aktionäre"
Laut einer dpa-Meldung will United Internet sich endgültig aus dem grünen Bereich zurückziehen. "Die Zustimmung von Vorstand und Aufsichtsrat der Freenet AG zur Debitel-Übernahme beendet unsere Bereitschaft, ein Übernahmeangebot zu unterbreiten", zitiert die Nachrichtenagentur einen Sprecher. In der Konzernzentrale von United Internet werde der debitel-Kauf als "skandalös" und als eine Aktion "gegen den Willen der Aktionäre" empfunden, bei dem die Vernichtung von Aktienvermögen in Kauf genommen wurde. Freenet wird für den Kauf des größeren Mobilfunkunternehmens rund 1,6 Milliarden Euro bezahlen – ein nicht geringer Teil des Kaufpreises setzt sich aus Schulden des Übernahmekandidaten zusammen.
Kursrutsch an der Börse
Bis zum Wochenende hatte die United Internet AG den debitel-Kauf abzuwehren versucht. Zuletzt hatte ihr Geschäftsführer Ralph Dommermuth öffentlich die
Warnung ausgestoßen, im Falle einer Übernahme "persönliche Ansprüche gegen die handelnden Organmitglieder" geltend zu machen. Doch noch ist der Kauf nicht in trockenen Tüchern. Nachdem der Aufsichtsrat von
freenet heute grünes Licht für die Akquirierung gegeben hat, wird nun noch das Urteil des Kartellamtes erwartet. Als Reaktion auf das Bekanntwerden des debitel-Kaufs rutschte die freenet-Aktie heute zeitweise um bis zu fünf Prozent ins Minus.
André Vatter