Rund 200 Künstler, Musiker und Schauspieler fordern Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem offenen Brief dazu auf, die Eindämmung illegaler Downloads ganz oben auf die Tagesordnung zu setzen. Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören beispielsweise Herbert Grönemeyer, Til Schweiger, Bernd Eichinger und Tokio Hotel.
Mehr Gewinn durch Raubkopien?
In dem Schreiben heißt es, Filme, Musik und Hörspiele würden mittlerweile millionenfach heruntergeladen, ohne dass die Rechteinhaber eine entsprechende Entlohnung erhalten. Vor allem Nachwuchstalente würden dadurch benachteiligt. Eine Lösung des Problems liefern die Verfasser des Briefes gleich mit: Nach
französischem und
englischem Vorbild, sollen Internetprovider mehrfach auffällig gewordene Kunden den Internetzugang komplett sperren können. Der durch Tauschbörsen verursachte Traffic erreiche nach Schätzungen zufolge in Deutschland inzwischen einen Anteil von 70 Prozent des gesamten Internetverkehrs. Laut den Verfassern profitieren die Internetprovider massiv von diesem Umstand und verweigern die Verantwortung zum Schutz geistigen Eigentums.
Schwere Geschütze
Zu den Organisatoren der Aktion gehören unter anderem die GEMA, die GVU und der Bundesverband Musikindustrie (BVMI). Der Vorsitzende des BMVI, Dieter Grony, gibt an, dass das Problem der Internetpiraterie die Kreativwirtschaft, die Telekommunikationsindustrie und den Verbraucher- und Datenschutz betrifft und nur gemeinschaftlich gelöst werden könne.
Aus dem Brief wird deutlich, in welchem Dilemme die Musikindustrie steckt. Auf der einen Seite gehen die CD-Verkäufe und damit die Umsätze immer weiter zurück. Auf der anderen Seite könnte aber deutlich mehr Geld verdient werden, wenn auf Zwangsfesseln wie Kopierschutz-Mechanismen verzichtet und der Preis für legale Downloads im Preis gesenkt und nicht wie immer wieder gefordert erhöht würde. Erst wenn sich daran etwas ändert, dürfte die Zahl der illegalen Downloads deutlich sinken.