Samstag, 26.04.2008 14:50

Microsoft will Begriff MSNen löschen lassen

aus dem Bereich Sonstiges
Van Dale ist das führende niederländische Wörterbuch und weit verbreitet. Im Rahmen eines Prozesses um den Schutz des Markennamens MSN, stößt sich der Softwarekonzern Microsoft an dem Eintrag des Begriffs MSNen in der aktuellen Ausgabe. Umgangssprachlich wird das Verb häufig für das Versenden von Botschaften über einen Instant Messenger genutzt.

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Prozess um Domainnamen

Doch warum fordert der Weltkonzern die Löschung des Begriffes aus dem Wörterbuch? Einen Tag nach der Forderung zur Streichung von MSNen begann in den Niederlanden der Prozess gegen die Initiative Unicaresoft. Diese wurde von der dreifachen Mutter Carola Eppink gegründet und arbeitet mit Entwicklern und Unternehmern zusammen. Unicaresoft entwickelte ein Anti-Chatprogramm, dass Eltern eine Lösung gegen übermäßiges Chatten und Internetsurfen der Kinder an die Hand geben sollte.

Programm zur Kontrolle von Chats

Mit dem Programm können nicht nur MSN, sondern auch etliche andere Chatprogramme kontrolliert werden. Als Produktname wurde MSNLock ausgewählt. Nach Angaben von Eppink sei für sie der Begriff MSN ein Synonym für Chatten, was ihr auch der Eintrag im Wörterbuch bestätigte. Über Rechtsanwälte forderte Microsoft von Unicaresoft die Löschung des Marken- und Domainnamens MSNLock. Wegen der Androhung eines Prozesses hat die Initiative von Eppink letztendlich auf die Nutzung des Namens MSNLock verzichtet und es kürzlich unter dem Namen Benzoy auf den Markt gebracht. Dennoch hatte Microsoft bei Gericht eine einstweilige Verfügung wegen Erwähnung des geschützten Markennamens MSN auf der Website von Unicaresoft eingereicht.

Unicaresoft geht davon aus, dass es Microsoft nicht so sehr um den Domainnamen gegangen ist, sondern dass dem Softwareriesen vielmehr das Antichatprogramm ein Dorn im Auge war. "Dieser Prozess wird sich nicht gerade positiv auf die Werbeeinnahmen des Windows Live Messengers auswirken und die Rückgabe des Domainnamens MSNLOCK beschneidet die Möglichkeit betroffener Eltern, Lösungen zu finden, ganz erheblich", so Eppink. Es gebe schließlich zahlreiche Domains mit dem Begriff MSN im Namen. Eine Liste mit über 60 Domains wie msncam.com, msntest.com oder msn-beta.com sei Microsoft nicht bekannt. Der Richter merkte dazu nur verwundert an, dass Microsoft vielleicht etwas mehr googeln sollte.

Das Urteil im Prozess um MSNLock soll am 7. Mai verkündet werden.

Update: Microsoft dementiert Löschungsabsicht

Microsoft hat inzwischen dementiert, dass das Unternehmen den Begriff MSNen aus dem Wörterbuch löschen lassen wollte. Vielmehr sollte der Eintrag ergänzt werden. Im Wörterbuch sollte darauf hingewiesen werden, dass MSN ein eingetragenes Markenzeichen von Microsoft ist. Außerdem sollte deutlich werden, dass mit MSNen nur das Chatten mit dem Microsoft Messenger beschrieben wird.
Jörg Schamberg
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