"Denn sie wissen nicht, was sie tun" – trifft ausgerechnet ein legendärer Kinofilmtitel auch auf digitale Raubkopierer zu? Bitkom-Präsidiumsmitglied Uli Holdenried wirft den Tätern mangelndes Unrechtsbewusstsein vor. Anlässlich des "Tags des geistigen Eigentums" weist der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien darauf hin, dass 2006 über vier Prozent (21.000 Fälle) mehr Urheberrechts-Straftaten die Polizei beschäftigten als im Vorjahr. Das gehe aus der aktuellen Kriminalstatistik hervor. Die Zahlen für 2007 liegen für diesen Bereich noch nicht vor. Ein Lichtblick kommt aber aus der Musikindustrie: 2007 luden die Deutschen 34 Millionen Songs und Alben rechtmäßig auf ihre PCs – ein Drittel mehr als 2006.
Jede vierte Software ist illegal
Etwa jedes vierte Computerprogramm (28 Prozent) wird in Deutschland illegal eingesetzt – als Raubkopie oder ohne gültige Lizenz, weiß der Verband. Schätzungen zufolge könnten 12.000 mehr Jobs geschaffen werden, wenn die Piraterie-Quote nur zehn Prozent geringer wäre. Auch der Musikindustrie macht die Piraterie zu schaffen: Auf einen legalen Download kommen nach Branchenangaben zehn illegale. Rund drei Millionen Deutsche seien beteiligt. Durch unrechtmäßige Online-Kopien sowie illegal gebrannte CDs und DVDs entstand im vergangenen Jahr ein Schaden von rund 530 Millionen Euro.
Rund 200 Millionen Euro entgehen nach einer Studie der Universität Weimar der Filmbranche durch Piraterie. Die Zahl der Kinobesuche könnte ohne illegale Kopien um bis zu 13 Prozent steigen. Ähnlich sieht es im DVD-Geschäft aus.
Raubkopierern den Draht kappen?
Zwangsläufig werden die Rufe nach mehr Unterstützung im Kampf gegen Internet-Piraterie immer lauter. Die deutsche Musikindustrie zeigt auf die Internet Provider. Diese sollten ihrer Anicht nach Raubkopierern durch
Anchluss-Sperren und Vertragskündigungen den Draht ins Netz kappen nach dem Vorbild englischer und französischer
Regierungsinitiativen. Der deutsche Bundestag hat derweil ein Gesetz beschlossen, das den Anbietern von urheberrechtlich geschützten Inhalten mehr
Auskunftsrechte einräumt, damit sie zügig und effektiv gegen Verstöße vorgehen können.
Neben digitalen Raubkopien schädigen auch Geräte-Doppelgänger und Billigversionen die Wirtschaft, so der Bundesverband. Der Zoll habe 2007 gefälschte Computer im Wert von vier Millionen Euro sichergestell. Druckerpatronen, und Marken-Kleidung seien ebenfalls beliebte Klon-Opfer. 29 Prozent der entdeckten Plagiate kommen aus China, gefolgt von den USA und der Tükei (16 bzw. 10 Prozent).
Der Welttag des geistigen Eigentums wird jedes Jahr am 26. April begangen. Angeregt durch die Unesco, wurde er im Jahr 2000 von der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) erstmals ausgerufen, um den Wert von Kreativität und geistigem Eigentum zu betonen.
In der "Schriftenreihe Politik" informiert der Bitkom über die technischen Möglichkeiten zum Urheberrechte-Schutz im Internet durch Digitales Rechte Management (DRM). Die kostenlose Broschüre ist auf der
Webseite des Verbandes erhältlich.