Softwareriese Microsoft korrigiert nach dem
Abgang von Bill Gates seine Zukunftsstrategie. Mehr und mehr Dienste werden vom PC auf das Internet verlagert. Der neue Dienst "
Live Mesh", den Microsoft am Dienstag als Technology Preview für bis zu 10.000 Beta-Tester startete, soll das webbasierte Synchronisieren von Daten auf PCs, Laptops und Handys ermöglichen. Wirklich neu ist dies nicht, doch Microsoft bietet mit Mesh die Bündelung vieler bereits einzeln bestehender Funktionen und Programme unter einem gemeinsamen Dach.
"Dein neues digitales Leben"
In San Francisco haben die Redmonder am Donnerstag den universalen Netzwerk-Dienst detailliert vorgestellt, der nach den Wünschen von Microsoft künftig das digitale Leben steuern soll. Führende Microsoft Manager, Ray Ozzie und Amit Mital, hatten bereits vorab für Mesh geworben. Ozzie hatte dabei die Abkehr von einer rein plattformbasierten Firmenphilosphie angedeutet. Die Zukunft sieht er im Internet, Mesh soll dabei die Funktion eines Hubs übernehmen, der per Web alle Geräte miteinander verbindet.
Künftig wird mit Mesh ein weltweiter Datenzugriff auf alle in dem Mesh-Netzwerk eingebundenen Geräte möglich sein. Die Daten auf allen Rechnern und Handys werden synchronisiert, so dass sie immer auf dem aktuellen Stand zur Verfügung stehen. Auf jeder Einheit müssen dazu lediglich die Mesh-Software installiert und Ordner erstellt werden.

Mesh synchronisiert Daten zahlreicher Geräte.
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Einfacher Datenaustausch
Programme, die sich nur auf dem heimischen PC befinden, sollen über Mesh per ferngesteuertem Zugriff genutzt werden können. Nutzer können mit nahezu jedem Browser auch auf Live Desktop zugreifen, den Online-Speicherplatz von Microsoft, der bis zu fünf Gigabyte Speicherplatz bietet. Mesh wird laut Microsoft auch den einfachen Austausch von Dateien und Fotos mit Freunden und Kollegen erleichtern. Diese können per Einladung Zugriff auf einzelne Ordner erhalten. Nach Angaben von Microsoft können innerhalb eines Ordners Dokumente upgedatet und kommentiert werden und Instant Messaging Nachrichten verschickt werden. Live Mesh könnte zur Schaltzentrale für Computernutzer werden, die auch den Online-Status von Freunden anzeigt. Ersichtlich ist auch, wer wann welche Daten geändert und aktualisiert hat. Geschützt wird das Mesh-Netzwerk mit der Windows Live-ID, die Microsoft schon für die bereits bestehenden
Windows Live Dienste eingeführt hat. In der ersten Ausbaustufe sollen nur Windows-Systeme in Mesh eingebunden werden können, später werden auch Apple-Computer und Handys mit Windows-Betriebssystem hinzukommen. Ab Oktober 2008 sollen alle Nutzer Mesh ausprobieren können.
Kritiker haben Sicherheitsbedenken
In ersten Reaktionen zeigen sich nicht alle rundum begeistert von Microsofts Web-Ambitionen. Mesh soll vor allem dazu dienen, Google die Herrschaft im Web streitig zu machen. Der Suchmaschinenbetreiber breitet sich – von Microsoft misstrauisch beäugt – mit
Online-Anwendungen immer weiter im Internet aus.
Die "Computerzeitung" zitiert dazu Analyst Michael Gartenberg von Jupiter Research: "Wer die Hoheit über die Schnittstelle zwischen allen den Geräten und Diensten im Web hat, verfügt über die Macht."
Bei manchem Kritiker läuten jedoch angesichts der Features von Mesh die Alarmglocken: Das System soll bei der Einbindung von Geräten sogar Firewalls überwinden können. Um businesstauglich zu werden, müsse Microsoft nach Meinung von Frank Ohlhorst von Tech Tidbits jedoch bei den Sicherheitsfeatures noch erheblich nachbessern. Ein weiterer Haken ist, dass Mesh bei der Synchronisierung keine Verknüpfungen erstellt, sondern die kompletten Daten jeweils auf alle angeschlossen Geräte kopiert. Bei älteren Systemen dürfte diese Vergrößerung des Datenvolumens für Platzprobleme sorgen.

Mesh soll den Datenaustausch vereinfachen.
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