Das Bild des Online-Marketings hat sich gewandelt. Während es vor einigen Jahren noch als fortschrittlich galt, die Werbebotschaft an den Kontext der einzelnen Websites anzupassen, geht man heute raffiniertere Wege: Die gezeigte Reklame soll sich nach den Wünschen und Interessen der Nutzer richten. Viele Vermarkter setzen seitdem auf das so genannte "Behavioral Targeting", eine Technik, bei der offen – oder verborgen – das Surfverhalten des Anwenders registriert wird, um sogleich Rückschlüsse auf sein Alter, Geschlecht, Wohnort, das verfügbare Jahreseinkommen und letztlich auch auf seine Kaufabsichten zu ziehen. Dass dabei nicht selten der Datenschutz auf der Strecke bleibt, macht ein neuer Fall aus England deutlich, wie BBC Online berichtet.
Sammelwut gegen Streuverlust
Im Königreich geriet jüngst der Online-Werber Phorm in die Kritik, weil er auf den Computern der Internetnutzer Cookies installieren möchte, um ihre Ausflüge ins Netz akribisch mitzuprotokollieren. Die gesammelten Daten werden dann ausgewertet, sodass bei dem Besuch der Website eines teilnehmenden Werbepartners lediglich relevante Lockangebote über den Bildschirm flackern. Möglich macht es die Kooperation mit den Internet-Providern. Phorm hat bislang drei Anbieter für die Idee begeistern können: die British Telecom, Virgin und Carphone Warehouse - das einzige der koalierenden Unternehmen, das es seinen Kunden freistellen will, ob die Phorm-Daten bei der Auslieferung der Werbung zur Anwendung kommen sollen oder nicht.
Werbemaßnahme oder Spyware?
Seltsamerweise waren es weder Privatnutzer noch die Datenschützer, die in Großbritannien nach Bekanntwerden der Pläne auf die Barrikaden gingen, sondern die Entwickler von digitalen Sicherheitslösungen. Softwareschmieden wie Symantec, F-Secure und McAfee reagierten zunächst beunruhigt bis alarmiert. Stefan Lundstrom, ein Anti-Spyware-Experte bei F-Secure sagte gegenüber BBC Online, dass man sich derzeit in Gesprächen mit Phorm befinde. Der Online-Werber würde den genauen Funktionsablauf des Werbesystems nur zögerlich offen legen, weshalb man die Entscheidung, die schnüffelnden Cookies als Spyware zu klassifizieren, vorerst noch nicht treffen kann. "Phorm ließ uns wissen, dass die meisten Internet-Provider ihren Kunden die Möglichkeit geben werden, die Cookie-Funktion zu deaktivieren", so Lundstrom. "Wir haben unsere Zweifel zum Ausdruck gebracht, dass es in dieser Hinsicht bereits einen Konsens gibt – und dass eine solche Praxis wahrscheinlich unseren Kriterien für die Erkennung von Spyware entspricht."