Nase bohren und zahnloses Grinsen – sind schlechtes Benehmen und mangelnde Zahnpflege jetzt der neue Hollywood-Trend? Das wird sich im Mai mancher Spielfilm-Fan fragen, der im Kino um die Ecke oder in seiner Lieblings-Videothek das neue Plakat der Kampagne
Respect Copyrights entdeckt. Zahnfäule und fiese Manieren sollen die Filmemacher vor Piraten schützen: Es handelt sich um eine Plakatinitiative, mit der die Organisation auf den Wert von Film-Originalen aufmerksam machen will.
Die beiden Poster zeigen in Anlehnung an echte Filmplakate schlechte Doubles von berühmten Schauspielern: einen Nase bohrenden Jack Sparrow und einen fast zahnlosen Doppelgänger von Til Schweiger als Parodie auf die Filmplakate von Fluch der Karibik und Keinohrhasen. Auf beiden Postern schafft der Satz Klarheit: "Danke, dass Sie sich lieber das Original anschauen und nicht die Kopie".
Filmklau vor der Kinopremiere
Anlass ist der "Welttag des geistigen Eigentums" am Samstag, 26. April, aber auch die immer noch zahlreich verfügbaren Raubkopien von Filmen und Musik. Tatort ist zu 90 Prozent das Internet: Wie aus der aktuellen "Available for Download"-Studie von Respect Copyrights hervorgeht, waren auch 2007 wieder über die Hälfte der 465 untersuchten Kinofilme online verfügbar - zum Teil (16 Prozent) schon vor der Kinopremiere. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Quote jedoch um acht Prozent von 62 auf 54 Prozent.
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Foto: Respect Copyrights
Besonders häufig wurden Filme kopiert, die über 50.000 Besucher ins Kino gezogen haben und zwar quer durch alle Genres. Hauptopfer sind jedoch Fantasy- und Animationsfilme: Sämtliche Neuerscheinungen dieser Sparten waren als illegale Downloads in Foren, Portalen, auf News- und Filesharing-Servern zu finden. Gleiches gilt für 92 Prozent der Actionfilme, 84 Prozent der Horror- und 83 Prozent der Thrillerstreifen.
Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V.
(GVU) verbucht ebenfalls Erfolge in ihrem Jahresbericht 2007. Mehr als 1.900 qualifizierte Verfahren hat die Organisation eigenen Angaben zufolge eingeleitet. Die Anzahl der erfolgreich abgeschlossenen Verfahren war mit 2.253 so hoch wie nie zuvor, freut sich die GVU. Wegen des anhaltenden Trends zur digitalen Raubkopie ging die Zahl der beschlagnahmten Gegenstände im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent auf 428.339 Asservate zurück.
Wie weiß ist die Weste der GVU?
Unwillkürlich fragt man sich, ob sich die GVU bei diesen Verfahren vielleicht erneut ins eigene Fleisch geschnitten hat. Die Hamburger sind in den vergangenen zwei Jahren mehrfach in die Schlagzeilen geraten. Einmal traten sie in einer Doppelrolle als Gutachter und Strafantragssteller in einem Raukopie-Verfahren auf, wie das c't magazin.tv berichtete. Ein anderes Mal führten sie gemeinsam mit Respect Copyrights eine umstrittene Schutzaktion durch, bei der Besucher der Spielemesse Games Convention
verfolgt und nachgeahmt wurden. Den schwersten Imageverlust erlitt die Organisation jedoch durch eine Raubkopie-Affäre, in die sie offenbar nicht nur als Jäger, sondern auch als Täter verwickelt war: Mit finanziellen Zuwendungen, so der Vorwurf, unterstützte sie nach Recherchen von onlinekosten.de und c't den
Betrieb von Raubkopierer-Servern unter den Augen eines Geschäftsführers.