Schon seit Wochen schwebt das Damokles-Schwert über der
freenet AG. Die beiden Hauptaktionäre United Internet und Drillisch, die gemeinsam rund 25 Prozent Anteile an dem Unternehmen halten, haben den grünen Telekommunikationsanbieter in die Mangel genommen. Das Ziel: freenet soll
übernommen und zerschlagen werden. Während United Internet, das Mutterunternehmen von
1&1, sich die DSL-Sparte einverleiben will, schielt Drillisch auf das Mobilfunkangebot. Doch die kleinere freenet AG entpuppt sich als zäher Brocken. Nicht nur, dass die Übernahmegespräche in der Vergangenheit schon abgebrochen wurden, nun greift freenet seinerseits mit einem nie dagewesenen Selbstbewusstsein nach einem schwächelnden Konkurrenten. Freenet-Vorstandschef Eckhard Spoerr will für 1,5 Milliarden Euro den Stuttgarter Mobilfunker debitel dem Haupteigner Permira abkaufen.
Gebotssteigerung mit Bedingung
Als die
Pläne Ende März im United Internet-Hauptquartier in Montabaur bekannt wurden, traute man seinen Ohren nicht. Vorstandsvorsitzender Ralph Dommermuth zögerte nicht lange und forderte die sofortige Wiederaufnahme von Gesprächen mit freenet. Als sich der Übernahmekandidat unbeeindruckt zeigte, schlug Dommermuth am vergangenen Montag den Schmusekurs ein und zeigte sich bereit, beim Aktienkauf den Preis pro Aktie von derzeit 12,80 auf 14 Euro zu
erhöhen. Voraussetzung für ein solches Angebot sei allerdings, dass freenet umgehend von debitel ablasse.
Ein leicht blasierter Spoerr antwortet
Freenet-Vorstand Spoerr brauchte genau einen Tag, um seine Antwort an Dommermuth zu formulieren. Die Form, in der dies am Dienstag geschah, spiegelt eine bizarre Wendung im gemeinsamen Umgangston wieder, denn noch bevor die Tinte des
Briefes getrocknet war, veröffentlichte ihn die Chefetage - für alle Aktionäre gut sichtbar - auf den offiziellen Unternehmensseiten von freenet. In dem Schreiben offenbart sich ein leicht blasierter Spoerr: Zwar sei es richtig, dass man sich zu gemeinsamen Gesprächen geeinigt hätte - "gleichzeitig wurden und werden die Verhandlungen mit Permira über den Erwerb der debitel-Gruppe fortgeführt", so Spoerr.
Alles nur "unverbindlich geäußerte Vorüberlegungen"
In der Folge weist er einen von Dommermuth explizit genannten Zeitplan für eine Übernahme von freenet zurück: eine verbindliche Vereinbarung habe es niemals gegeben. "Es steht United Internet frei, unseren Aktionären jederzeit ein Übernahmeangebot zu unterbreiten", schreibt Spoerr weiter. Bis es aber soweit sei, fühle sich freenet nicht daran gehindert, weiter auf einen debitel-Kauf hinzuwirken. Gewartet hätte man schließlich lange genug: "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich vermeintliche Handlungsalternativen zwischen den Parteien nicht materialisiert haben. Wir können zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht absehen, ob, wann und zu welchen Bedingungen United Internet und Drillisch ein Übernahmeangebot abgeben werden." Es läge daher nicht im Unternehmensinteresse, aufgrund "unverbindlich geäußerter Vorüberlegungen" seitens United Internet, die "Erfolg versprechenden Verhandlungen" mit Permira abzubrechen oder zu verschieben.
Die briefliche Provokation öffnet ein neues Kapitel über Übernahmedrama freenet. Wenn Dommermuth noch intervenieren will, muss er schnell handeln. Noch
in dieser Woche will freenet die Verhandlungen mit Permira erfolgreich abgeschlossen haben.