Der Internet-Riese Google soll auf Anordnung des brasilianischen Parlaments Zugang zu mehr als 3000 privaten Internetseiten gewähren, die Kinderpornografie enthalten könnten. Das Unternehmen solle den Behörden 3261 Seiten des zum Google-Konzern gehörenden Online-Kontakt-Netzes Orkut zugänglich machen, ordnete am Mittwoch (Ortszeit) ein Ausschuss des Senats in Brasilia an.
Zahlreiche Anzeigen wegen Orkut
Der Staatsanwalt des Bundesstaates São Paulo, Sergio Suiama, hatte vor dem Ausschuss dargelegt, dass fast 90 Prozent der in den vergangenen zwei Jahren erstatteten 56.000 Anzeigen wegen Pädophilie sich auf das Angebot von Orkut bezögen. "Die Verbreitung von Orkut in Brasilien verwandelte das Land in einen Lieferanten von Kinderpornografie, und Google scheint das nicht zu interessieren", kritisierte Suiama.
Google will Filter einbauen
Der Chef von Google Brasilien, Alexandre Hohagen, stellte vor dem Senatsausschuss in Aussicht, in den kommenden Monaten einen Filter zu installieren, der die Verbreitung von Kinderpornografie verhindert. Die Behörden sollten dann über Vrdachtsfälle informiert werden und Beweismaterial erhalten. Die Staatsanwaltschaft hatte Google ein Ultimatum zur Aushändigung der Informationen über Kinderpornografie gestellt, das am Mittwoch auslief.
Die Internet-Plattform Orkut hat in Brasilien rund 27 Millionen Nutzer. In einem Premium-Bereich können Interessenten eigene Seiten bekommen, zu denen nur sie und von ihnen autorisierte Nutzer Zugang haben.
Jörg Schamberg
/ afp