Das weitverbreitete MP3-Format, offiziell 1995 von Wissenschaftlern des Fraunhofer Institutes in Erlangen zur Datenkomprimierung
eingeführt, ist in die Jahre gekommen. Forscher der US-Universität Rochester haben nun eine neue Technik entwickelt, die im Vergleich zu MP3 Musikstücke 1000-mal stärker komprimieren soll.
Ein Kiloybte für 20 Sekunden
Den US-Wissenschaftlern ist es laut einer Mitteilung der Universität gelungen die Datei eines 20-sekündigen Musikstückes, ein Klarinettensolo, auf weniger als ein Kilobyte zu komprimieren. Für das neue Verfahren werden die Töne nicht mehr aufgezeichnet, sondern direkt vom Computer reproduziert. Sowohl der physische Klang eines Musikinstruments als auch die Spielweise eines Musikers soll dabei vom Computer so realitätsgetreu wie möglich nachempfunden werden. "Ich glaube, wir haben die absolut geringste Datenmenge gefunden, die nötig ist, um ein Musikstück zu reproduzieren", meint Mark Bocko, Professor für Elektro- und Computertechnik und Mitentwickler der Technologie. Als Nebeneffekt der Forschungen erhofft sich Bocko, dass Computerstimmen später einmal mehr Natürlichkeit erhalten.
Virtuelle Musikinstrumente
Die bisher erzielten Ergebnisse kommen von der Qualität her zwar noch nicht ganz an die von Originalinstrumenten heran, doch es sei nicht weit davon entfernt. So müsse etwa der Einfluss der menschlichen Zunge bei dem Spielen von Blasinstrumenten noch besser in die Computermodelle eingearbeitet werden. Das Entwicklerteam um Bocko hatte eine Klarinette am Computer virtuell nachgebaut und dabei alle Aspekte mit berücksichtigt, die den Klang beeinflussen. Zusätzlich wurde das Modell eines virtuellen Klarinettenspielers entwickelt. Hier wurde unter anderem Faktoren wie Fingerspiel und Atemstärke des Spielers integriert.
Theoretisch könnte die angewandte Methode der Reproduzierung von Musikinstrumenten auch auf die menschliche Stimme übertragen werden, diese sei aber sehr komplex. Aktuell verarbeitet die neue Methode nur ein Instrument zur gleichen Zeit, doch ein anderes Forscherteam der Universität Rochester habe einen Weg gefunden, um mehrere gleichzeitig spielende Instrumente zu separieren. Eine Kombination beider Entwicklungen könne hier weitere Fortschritte bringen. Die Zukunft der Musik könnte durch die neue Technik entscheidend mitgeprägt werden, so Bocko.