Eine russische Internet-Attacke legt Regierungscomputer in Estland lahm, chinesische Hacker spionieren das US-Verteidigungsministerium aus und starten einen Trojanerangriff gegen deutsche Regierungsbehörden. Solche Schlagzeilen dürften künftig immer häufiger zu lesen sein. Davon sind zumindest rund 200 Experten überzeugt, die zwei Tage lang in Straßburg über die
wachsenden Gefahren durch das Internet diskutierten. Fazit: Das Internet wird zunehmend für kriminelle Aktivität genutzt - die Palette reicht von Spionage und terroristischen Aktivitäten bis zur äußerst profitträchtigen Kinderpornographie oder Übergriffen auf private Bankkonten.
Chinas Cyber-Armee
Allein in China sei eine Armee von rund 20.000 Hackern aktiv, versichert Laurence Ifrah, Forscherin an der Universität Paris 2. Die Mitglieder der "Honker Union of China" griffen regelmäßig Computer von Regierungsbehörden in den USA, aber auch in Paris, London und Berlin an. Politisch motivierte Internet-Angriffe sind weit verbreitet. Ifrah verweist auf Hacker in Marokko, die vor einiger Zeit rund 400 israelische Internet-Seiten gelöscht haben sollen. Andere Tagungsteilnehmer erinnern an die von Russland gesteuerte spektakuläre Attacke gegen Estland, die im Mai 2007 innerhalb kurzer Zeit alle Regierungs- und Behördencomputer lahmgelegt hatte.
Diverse Zielscheiben
Zielscheibe von Internet-Kriminellen seien aber auch Unternehmen und Privatpersonen, betont Nicola di Leone von Europol. Vor allem das Ausspähen von geheimen Bankdaten und Unternehmens-Informationen nimmt nach seinen Angaben zu. Mit dem sogenannten
Phishing (password fishing) verschafften sich Betrüger Zugang etwa zu Bankkonten, die sie dann ausplünderten. Allein in Deutschland ist nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) die Zahl der Phishing-Angriffe im vergangenen Jahr um 20 Prozent auf 4.200 Fälle gestiegen. Die durchschnittliche Schadenssumme hat sich fast verdoppelt - sie stieg von 2.500 Euro auf heute rund 4.500 Euro pro Phishing-Fall.