Am Mittwochmorgen hatte die Bundesnetzagentur in Bonn ihren Jahresbericht für 2007 vorgelegt. Wie onlinekosten.de
bereits berichtete, gab sich ihr Präsident Matthias Kurth betont optimistisch und lobte die Entwicklung des mobilen Internets. Auch auf die Situation des Festnetzes kam Kurth zu sprechen: "Im Jubiläumsjahr - zehn Jahre Regulierung in Deutschland - kann nicht deutlich genug betont werden, dass die Öffnung der Märkte für den Wettbewerb die Vorteile für Kunden und Verbraucher durch mehr Angebote und günstige Preise erst ermöglicht hat." Mehr als die Hälfte der neuen Breitbandanschlüsse würden mittlerweile von Wettbewerbern der
Deutschen Telekom geschaltet, ebenso nutze mehr als die Hälfte aller DSL-Kunden in Deutschland ein Angebot der Konkurrenz. "Reine Augenwischerei", wie der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) findet. Die Macht des rosa Riesen sei bis heute
ungebrochen gewaltig.
"Faire Marktöffnung" gefordert
"Die Bundesnetzagentur beschönigt die Wettbewerbssituation im
Festnetzbereich", mokiert VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Selbst, wenn immer mehr Wettbewerber auf den Markt drängen, dürfe das nicht darüber hinwegtäuschen, "dass im Festnetzbereich die Zahl der langfristigen Bindungen der Bestandskunden des Ex-Monopolisten in einem wettbewerbsbedrohlichem Maße zunimmt", so Grützner.
Eine Gefahr sieht der Verband vor allem in den Bündelangeboten der Telekom. Da das Unternehmen noch immer über 80 Prozent aller Festnetzanschlüsse in Deutschland unter Vertrag hat, seien die zweijährigen Call&Surf-Tarifpakete, die gleichzeitig Telefonie- und Internetdienste beinhalten, unzulässig. Erst nach Ablauf der 24 Monate können Kunden so zu einem anderen Anbieter wechseln. Eine "faire Marktöffnung" sei damit kaum möglich, bemängelt Grützner und ruft die Bundesnetzagentur auf, "zum Nutzen des Verbrauchers einen echten Wettbewerb zu gewährleisten".
Hoffen auf Hilfe aus Brüssel
Der Appell des VATM richtet sich nicht alleine an die deutschen Regulierer, sondern auch die EU-Kommission in Brüssel. Immerhin hatte sie in der Vergangenheit immer wieder gefordert, dass ein Kunde in der Lage sein muss, seinen Festnetzanbieter möglichst schnell zu wechseln. Nach Angaben Grützners nehme die Kommission die positive Entwicklung der Zahlen zwar zur Kenntnis, allerdings wisse auch sie, dass die Telekom weiterhin klar marktbeherrschend sei. "Die Situation zeigt, wie wichtig es ist, dass die EU-Kommission korrigierend eingreifen kann", so Grützner.