Experten aus zahlreichen Ländern haben sich alarmiert über die rapide steigende Internet-Kriminalität geäußert. Das Ausspähen von geheimen Bankdaten (
Phishing) und die Sabotage von Computern durch sogenannte
Botnets nähmen auf Besorgnis erregende Weise zu, sagte Nicola di Leone von Europol am Dienstag in Straßburg bei einer Tagung über Cyber-Kriminalität im Europarat. Kriminelle verschafften sich so Zugang etwa zu Bankkonten oder vertraulichen Informationen von Unternehmen. Außerdem nutzten Terroristen zunehmend das Wissen von Spezialisten, um über das Internet ihre Propaganda zu verbreiten.
Einen Schritt voraus
"Die Kriminellen sind uns fast immer einen Schritt voraus", betonte Wolfgang Schreiber, Leiter einer Arbeitsgruppe über Internet-Kriminalität beim Bundeskriminalamt (BKA). Sie beherrschten die neuesten Technologien und nutzten jede Lücke für ihre Aktivitäten. Angesichts dieses Trends müssten die Fahnder aktiver werden. Das BKA bemühe sich daher verstärkt um eine Zusammenarbeit mit der Industrie und privaten Anbietern.
Übereinstimmend sprachen sich die Redner für eine bessere internationale Kooperation aus. Nötig sei ein "globale Lösung", kein Land könne allein gegen die Cyber-Kriminalität ankämpfen, sagte Laurent Masson, der bei Microsoft für Internet-Sicherheit zuständig ist. Bei der bis Mittwoch dauernden Tagung wollen die Experten eine Reihe von konkreten Empfehlungen für Internet-Anbieter, Strafverfolgungsbehörden und die Industrie erarbeiten.
Zusammenarbeit von 22 Ländern
Die Empfehlungen sind als Ergänzung zur Konvention gegen Internet-Kriminalität des Europarats gedacht. Dieses Abkommen ist derzeit das einzige internationale Instrument zur Bekämpfung krimineller Machenschaften mit Hilfe des Internets. Es wurde bisher von 22 Ländern ratifiziert, darunter von den USA und Japan. Deutschland hat das Abkommen unterzeichnet, die Ratifizierung aber noch nicht abgeschlossen. Das Übereinkommen verpflichtet die Vertragsstaaten, Computerbetrug, Datendiebstahl, Fälschung von Dokumenten via Internet und das Eindringen in ein geschütztes Computersystem zu bestrafen. Die Mitgliedstaaten müssen zudem jede Form von Kinderpornographie, aber auch die Verletzung von Urheberrechten im Internet strafrechtlich ahnden.