Google als Gehilfe der US-Geheimdienste? Warum nicht. Bisher drangen nur spärlich Informationen über eine etwaige Zusammenarbeit des Suchmaschinenbetreibers mit der Bush-Regierung an die Öffentlichkeit. Doch nun hat ein Google-Mitarbeiter in der Online-Ausgabe der "San Francisco Chronicle" erstmals offen über die Kooperation geredet.
Breite Wachstumsstrategie
"Wir sind eine sehr kleine Gruppe, von der selbst manche Regierungskreise nicht wissen, dass es sie gibt", sagt Mike Bradshaw. Der Chef von Googles Verkaufsteam für Staatsangelegenheiten ist Herr über gerade einmal 18 Angestellte. Googles Wachstumsstrategie ist weit gefächert. In der Vergangenheit konnten Beobachter immer wieder feststellen, dass das Unternehmen fernab des Marktes für Endverbraucher auch nach Regierungsaufträgen auf Bundes- oder Lokalebene fischte. Selbst Schulen fallen in das Beuteraster. Bisher ist bekannt, dass Google mit fast allen Geheimdiensten in Kontakt steht und darüber hinaus IT-Projekte der National Oceanographic and Atmospheric Administration, der US Coast Guard und der National Highway Traffic Safety Administration betreut. Doch vor allem das Spiongeschäft scheint es dem Unternehmen angetan zu haben.
Web 2.0 für US-Spione
Herzstück der Zusammenarbeit mit den amerikanischen Spitzelorganisationen ist die geheime Wissensplattform
Intellipedia, bei der es sich, wie der Name bereits andeutet, um einen Klon der beliebten Wiki-Enzyklopädie handelt. "Jeder Agent hortet das Wissen für sich", sagte Sean Dennehy, Leiter der Intellipedia-Entwicklungsabteilung bei Google. CIA-Spione würden bisher ihr Wissen per Word-Datei und nur selten auf Datenträgern mit mehreren Zugriffsrechten speichern. "Wir konnten sie davon überzeugen, die Informationen so zusammenzutragen, dass alle davon profitieren können."
Tatsächlich lehnt Intellipedia stark an das zivile Vorbild an. Zugreifen können jedoch nur Mitarbeiter des CIA, FBI sowie der National Security Agency und anderer, kleinerer Geheimdienste. Nach Aussagen von Dennehy haben sich bis heute 37.000 Nutzer angemeldet, die ihr Wissen in über 35.000 Artikeln miteinander teilen: alles in allem seien 200.000 Seiten online. Google übernimmt dabei die Bereitstellung und Wartung der Server und stellt außerdem eine Suchfunktion für Nachrichten und Informationen zur Verfügung.
Google weist Verschwörungstheorien zurück
Seit Bekanntwerden der Intellipedia-Plattform vor zwei Jahren meldeten sich im Netz immer wieder Verschwörungstheoretiker zu Wort. Googles Einfluss auf das moderne Leben hätte bereits heute bedenkliche Ausmaße angenommen, geheime und vor allem kostspielige Kooperationen mit der Regierung seien daher unannehmbar: Für vier Suchroutinen, die zuvor die Nationals Security Agency in Auftrag gegeben hatte, bekam Google zwei Millionen US-Dollar. "Viel Geld" – sagen die einen, "Peanuts" – die anderen. Alles in allem betrug der Jahresgewinn 2007 rund 16,6 Milliarden US-Dollar, ein Einkommen, dass Google zum größten Teil seiner Machtposition im Werbegeschäft verdankt. Dementsprechend gelassen weist der Internetriese die Vorwürfe zurück. "Es gab einen Haufen wilder Spekulationen", sagt Badshaw im Interview. "Aber letztendlich können wir der Regierung nichts anderes verkaufen als das, was wir auch unseren Geschäftskunden anbieten."