Die Website
liveleak.com hat den
islamfeindlichen Film des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders wegen Drohungen von ihrem Server genommen. "Das ist ein trauriger Tag für die Meinungsfreiheit, aber die Sicherheit unserer Mitarbeiter geht vor", erklärten die Betreiber des Internetportals. Angesichts der sehr ernst zu nehmenden Drohungen gegen Mitarbeiter gebe es keine andere Wahl.
Brisanter Inhalt
Der gut 15-minütige Film ist mittlerweile aber auch auf anderen Websites zu finden. Wilders kombiniert in seinem Film Bilder von Opfern terroristischer Anschläge in New York und Madrid mit Zeitungsschlagzeilen und Koranversen. Auch die umstrittene dänische Mohammed-Karikatur, die den Propheten mit einer Bombe als Turban zeigt, ist in dem Streifen zu sehen.
Anders als YouTube legt LiveLeak das Prinzip der freien Meinungsäußerung extrem weit aus und hält sich mit Einschränkungen oder Einflussnahme auf Inhalte stark zurück. Die Internetseite wolle um jeden Preis unparteiisch bleiben und lasse Meinungsfreiheit zu, soweit es das Gesetz erlaube, heißt es auf der Internetseite. Gegen die Veröffentlichung des Wilders-Films habe es keine rechtlichen Einwände gegeben. Gegründet wurde das Videoportal im Oktober 2006 als Nachfolger der noch extremeren Internetseite Ogrish.com, die mit Kriegsgräueltaten, detaillierten Filmen über Verbrechen und Autounfällen von sich reden machte.
LiveLeak will anders sein
In den vergangenen Jahren nutzten vor allem US-Soldaten LiveLeak, um ihre Eindrücke aus dem Irak und Afghanistan online zu stellen. Sie umgehen so die Zensur des Militärs. "Das lehrt unsere Generation und die jüngeren Generationen, dass der Krieg real ist", erklärte der Mitgründer der Internetseite, Hayden Hewitt, Anfang des Jahres in einer öffentlichen Debatte mit einem NATO-General. Der frühere britische Premierminister Tony Blair nannte LiveLeak als Beispiel für ein Gegengewicht zu den mächtigen Massenmedien im Internetzeitalter.
Für Diskussionen sorgte LiveLeak im Sommer 2007 in Großbritannien auch mit Handyvideos von Kämpfen zwischen elf- und zwölfjährigen Kindern. Die Bilder seien entsetzlich, aber nun einmal das wahre Leben, argumentierte Hewitt damals. Deshalb werde das Portal auch nicht aufhören, die Videos zu zeigen. In Deutschland gewann LiveLeak mit dem Amateurvideo von einer Beinahe-Bruchlandung eines Airbus A 320 während des Orkans "Emma" Anfang März auf dem Hamburger Flughafen an Bekanntheit.
Hayo Lücke
/ afp