Viele
Breitbandanbieter betreiben kreuz und quer durch Europa einen aggressiven Neukundenfang. Meist locken sie dabei mit dem Versprechen auf schnelles Internet: "Surfen Sie mit bis zu 16 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) durch das Netz." Doch immer mehr Kunden betrachten das kleine Werbebotschaftswörtchen "bis" mit besonderem Argwohn. Tatsächlich stellt sich bei vielen von ihnen nach der Vertragsunterzeichnung Ernüchterung ein. Statt mit erwartetem "High-Speed" schleppen sie sich mit solider
ISDN-Geschwindigkeit durch das Internet.
Negativrekorde
Eine neue Studie zum Thema "schmales Breitband" nimmt das Phänomen genauer unter die Lupe. Die Marktforscher von Point Topic haben sich dabei auf den englischen Markt konzentriert. Das Ergebnis: Je höher die versprochene Bandbreite, desto geringer sind die tatsächlichen Chancen, diese auch nutzen zu können. Zum Beispiel können nur rund 72 Prozent aller Kunden, die einen 512 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s) schnellen Anschluss gebucht hatten, mit dieser Geschwindigkeit auch ins Netz. Von allen Nutzern, die einen Tarif "mit bis zu" vier Mbit/s abgeschlossen hatten, waren es dagegen nur 23 Prozent. Einen Negativrekord stellt dagegen der 16 Mbit/s schnelle Anschluss auf: Hier sind es nur vier Prozent der zahlenden Kunden, die auch wirklich in den Genuss einer 16 Mbit/s flotten Leitung kommen.
Die Bestimmung der Realbandbreite ist schwierig
Dass das Versprechen und die tatsächliche Leistung derart diametral auseinanderklaffen, hat seinen Grund. "Es gibt viele Faktoren, die Einfluss auf die Breitbandgeschwindigkeit nehmen", erklärte Analystin Pamela Varley. "Dazu gehören die Entfernung von der Verteilerstation und die Qualität des Kabels und so weiter. Es ist eine Herausforderung, all diese Umstände bei der Ermittlung der tatsächlichen Geschwindigkeit eines Einzelanschlusses zu berücksichtigen." Auf die Frage, warum sich viele Anbieter im Zweifelsfall jedoch häufig für die Angabe einer höheren Bandbreite entscheiden, wusste die Studie allerdings auch keine Antwort.
André Vatter