Der WLAN-Router steht im Arbeitszimmer, der Laptop mit WLAN-Karte wird gerade im Wohnzimmer genutzt. Kabellose Netzwerke über Funk erfreuen sich auch im Privatbereich immer größerer
Beliebtheit. Die WLAN-Datenübertragung stößt dabei derzeit im herkömmlichen G-Funkstandard
802.11g bei rund 54-Megabit pro Sekunde (Mbit/s) an ihre theoretischen Grenzen. Schweizer Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) sind schon weiter und erreichen in Tests vierfache Übertragungsraten.
Testgerät mit vier Antennen
Bereits in den Neunziger Jahren wurde die sogenannte "Multiple Input Multiple Output" (MIMO) Technik entwickelt, die das gleichzeitige Senden und Empfangen mehrerer Daten über dasselbe Freqenzband mit Hilfe mehrerer Antennen erlaubt. Die Schweizer Tüftler der ETH haben für ihre Versuche ein Demonstrationsgerät, das sogenannte MIMO-Testbed, mit vier Antennen entwickelt.
Bis zu 216 Mbit/s mit MIMO
Mit dem Testbed konnten sie Übertragungsraten von rund 216 Mbit/s erreichen. "Mit unserem MIMO-Testbed verfügen wir über ein weltweit einzigartiges Gerät, mit dem wir nun neue Ideen und Entwicklungsansätze testen können", erklärt Helmut Bölcskei, Professor am Institut für Kommunikationstechnik der ETH Zürich. Die Forschungen laufen im Rahmen des europäischen Projektes "Mascot". Die Wissenschaftler wollen prüfen, ob die MIMO-Technologie auch für komplexe Netzwerke geeignet ist.
WLAN wird noch schneller mit dem MIMO-Testbed.
Bild: ETH Zürich
Technik auch mit anderen WLAN-Stanards nutzbar
Das Problem in dem Datengewirr von mehreren Sendern ist die Decodierung der Daten. Sie müssen beim Empfang wieder so geordnet werden, dass sie einen Sinn ergeben. In den letzten vier Jahren hatten die Entwickler jedoch die Decoder-Algorithmen überarbeitet. Ein kleiner, kompakter Decoderchip ist nun in der Lage auch größere Datenmengen zu ordnen. Solche Chips könnten problemlos in aktuelle Laptops und WLAN-Empfänger eingebaut werden können. Weitere Fortschritte mit dieser Technologie sind wahrscheinlich, da das Funken per MIMO auch mit dem aktuellsten N-Funkstandard
802.11n möglich sein soll. Dadurch könnten die mit diesem Standard theoretischen Datenraten von bis zu 600 Mbit/s noch einmal vervielfacht werden.
Schnelle WLAN-Übertragungsraten sind heute schon möglich. Dies beweist das Team von Marvell, einem Unternehmen im Bereich WLAN-Enticklung. Bereits im Januar
berichtete onlinekosten.de über die für dieses Jahr geplante Einführung eines WLAN-Chips mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 450 Mbit/s.