Für den Sprecher des Düsseldorfer VoIP-Anbieters steht fest, dass Probleme mit der Sprachqualität "zu nahezu 100 Prozent auf die Leistungsfähigkeit des vorhandenen Breitbandanschlusses und/oder fehlende Konfigurationen beziehungsweise Ausstattungen der VoIP-Endgeräte" zurückzuführen seien. Die Kapazität der IP-Netze würde jedoch, wie auch beim Video-Streaming, eine uneingeschränkte Nutzung von VoIP gewährleisten. Aus seiner Sicht verfügen vielmehr die Kunden in jeder Situation über Stellschrauben, die Sprachqualität zu verbessern. Fuchs zufolge gewährleisten Hardware mit Bandbreitenmanagement, Merkmale wie
HD-Telefonie (High Definition) und nicht zuletzt die verwendeten bandbreitensparenden
Codecs eine hohe Verbindungsqualität, dies sei jedoch unabhängig von der Kapazität der IP-Netze.
Flaschenhals beim Nutzer
Natürlich ist vor allem die Internetanbindung des Nutzers einer der Flaschenhälse in der Datenübertragung: Ein VoIP-Telefonat braucht für eine gute Übertragungsqualität etwa 100 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s). Viele der angebotenen DSL-Leitungen verfügen jedoch nur über 128 Kbit/s im Upstream – rein rechnerisch ist also genug Platz für eine VoIP-Telefonverbindung. Da viele Nutzer aber gleichzeitig andere Internet-Dienste nutzen, indem sie beispielsweise Dateien herunterladen oder Websites besuchen, wird die verfügbare Bandbreite und damit auch die VoIP-Verbindungsqualität eingeschränkt. Hardware mit Bandbreitenmanagement hilft dabei zumindest, den Sprachdaten vor anderen Inhalten Vorfahrt zu geben, um so die Verbindungsqualität zu verbessern.
Düstere Zukunft fürs Internet?
Das Problem auf das Telekom-Sprecher Nierwetberg hinweist, ist jedoch ein Grundsätzlicheres: Hintergrund der Diskussion ist nämlich der wachsende Bandbreitenhunger zahlreicher Internetanwendungen und die Auswirkungen aufs Netz. So warnte bereits im November vergangenen Jahres das Marktforschungsinstitut Nemertes Research, es könne spätestens bis zum Jahr 2010 zu einem
massiven Geschwindigkeitseinbruch im weltweiten Datennetz kommen. Sie prognostizieren langsamen Seitenaufbau und ruckelnde Videos bei 56 Kbit/s, wie sie von den guten, alten Modemverbindungen bekannt sind. Der Grund sei das riesige Datenverkehrsaufkommen, allein das Videoportal Youtube sorge derzeit für 27 Millionen Gigabyte (GB) Daten, die monatlich durchs Netz geschickt werden.
Hinzu kommt, dass das Internet in seinem Aufbau eigentlich nicht für Live-Kommunikation geeignet ist. Inhalte werden in Datenpakete unterteilt, die unabhängig voneinander ihre Reise übers Internet zum Empfänger aufnehmen. Für Websites und E-Mails ist es dabei nicht nur unwichtig, in welcher Reihenfolge die Datenpakete am Ziel eintreffen, auch leichte Verzögerungen von ein paar Sekunden, wie sie im Internet ohne weiteres zustande kommen können, stellen kein ernsthaftes Problem dar. Erst Dienste, wie Videostreaming oder VoIP stellen den Anspruch ans Netz, dass die Daten ohne Verzögerung und in gleichbleibender Qualität versandt werden. Es bleibt also fraglich, ob der permanente Ausbau des Internet durch die Netzbetreiber ausreichen wird, um die anfallenden Datenmengen zu bewältigen – oder ob die Zukunftsvision von der wieder aufkommenden Modemgeschwindigkeit bald Realität wird.