Am Ende des Jahres 2008 könnte der deutsche DSL-Markt erheblich umgekrempelt sein. Eine Konsolidierungswelle durch
Übernahmen von Wettbewerbern zeichnet sich ab. DSL-Provider
Versatel denkt sogar über einen größeren, starken Verbund mehrerer Konkurrenten als Gegenpol zur Telekom nach.
Drei große Gruppen
Laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) könnte sich Peer Knauer, Vorstandsvorsitzender von
Versatel, durchaus einen größeren Verbund seines Unternehmens mit der zum
Verkauf stehenden DSL-Sparte von
freenet sowie mit
United Internet und
Telefónica vorstellen. Eine solche gewichtige Gruppe könnte sich als Gegenpart zu
Deutscher Telekom und zu
Vodafone-Arcor positionieren.
Diese Gedankenspiele des Versatel-Chefs sind ein wenig aus der Not geboren. Versatel hatte in der Jahresbilanz für 2007
sinkende Gewinne ausgewiesen. Für einzelne Unternehmen wird es zunehmend schwieriger sich in dem heftig umkämpften Markt zu behaupten. United Internet hatte sich bereits im Januar mit rund
25 Prozent an Versatel beteiligt. Außerdem verfügt die Muttergesellschaft von 1&1, Web.de und GMX auch über einen etwa gleich großen
Anteil an freenet und hat sich damit bereits Raum für strategische Planungen geschaffen. Es ist bekannt, dass United Internet mit dem Kauf des DSL-Geschäfts von freenet
liebäugelt. Versatel selbst könnte ebenfalls durch eine Übernahme von freenet mehr DSL-Kunden gewinnen.
Übernahme günstiger als Neukundenwerbung
Eine Übernahme könnte sich für die DSL-Provider sogar günstiger gestalten als die Anwerbung neuer Kunden durch Marketingmaßnahmen. Denn in diesem Jahr müßten für die Gewinnung eines Neukunden bereits etwa rund 800 Euro investiert werden. "Das ist ein Desaster angesichts durchschnittlicher Monatsumsätze von unter 30 Euro", sagte Knauer gegenüber der FTD. Würde Versatel den DSL-Sektor von freenet übernehmen, so wären lediglich Investitionen von rund 400 bis 600 Euro pro neuem freenet-Kunde notwendig. Für eine Übernahme müsste Versatel jedoch eine Kapitalerhöhung vornehmen.
Größere Summen sollen auch in den Auf- und Ausbau des
eigenen Glasfasernetzes gesteckt werden, durch das sich Versatel ebenfalls ein Unterscheidungsmerkmal zur Telekom verspricht. Die Übernahme von Kabelnetzbetreiber mit direktem Zugang könnte laut Knauer ebenfalls eine interessante Variante des Netzausbaus darstellen. Kein Interesse zeigte der Versatel-Chef jedoch am Kölner Provider
QSC, der nur im Geschäftskundenbereich stark sei. Ende Februar hatte es
Spekulationen über eine Übernahme von QSC durch den Versatel Großaktionär Apax gegeben.