Seitdem die Tochter von United Internet,
1&1, ihren Kunden Komplettanschlüsse ohne Telekom-Verträge anbietet, entwickelt sich der Begriff "Kapazitäten" immer mehr zum Reizwort. Hauptlieferant von Vorleistungen ist nach wie vor die
Deutsche Telekom, doch um die Unabhängigkeit vom Ex-Monopolisten weiter auszubauen, mietet
1&1 schon seit längerem die Infrastruktur von
Telefónica und
QSC. Auch der kürzliche
Anteilszukauf beim Breitbandanbieter Versatel, der über ein eigenes Glasfasernetz verfügt, soll seinen Beitrag dazu leisten. Doch wie ein Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) nun verrät, geht das United Internet-Chef Ralph Dommermuth noch nicht weit genug: Er plant ein Rendevouz mit
Arcor.
Interesse am Wholesale-Geschäft
Beide Unternehmen befänden sich bereits in Gesprächen, keines von ihnen ist allerdings zur Stunde zu einer Stellungnahme bereit. Das von
Arcor betriebene Netz ist eines der größten in Deutschland, zudem sei Konzern-Chef Harald Stöber an einer Expansion im Wholesale-Geschäft äußerst interessiert. United Internet würde bei einer Zusammenarbeit deutlich von der etablierten Infrastruktur profitieren. Diese Erfahrung hat auch schon
Hansenet gemacht. Für die Netzmarke Alice
kaufen die Hamburger seit Anfang des Jahres DSL-Anschlüsse bei Arcor ein.
T-Bitstream-Zugang könnte den Markt beleben
Am Freitag hatte die Telekom der Netzagentur ein
Preisangebot für den sogenannten Bitstream-Zugang angeboten. Dabei handelt es sich um einen entbündelten Breitbandanschluss ohne gleichzeitige Kundenbindung bei der Telekom. 24,76 Euro wollen die Bonner ihren Konkurrenten aus dem Resale-Bereich – und damit auch 1&1 – dafür monatlich in Rechnung stellen. Im Vergleich zum europäischen Ausland läge man mit diesem Preis im unteren Bereich, ließ die Telekom mitteilen. Doch United Internet sieht das anders: "Der vorgeschlagene Preis liegt deutlich über dem Marktpreisniveau selbst von Telekom-Angeboten wie congstar", sagte 1&1-Manager Hoffmann der FTD. Trotzdem will United Internet die Telekom-Offerte als Chance sehen: "Das neue Angebot wird uns die Möglichkeit eröffnen, die Abdeckung für entbündelte Komplettpakete von 60 Prozent aller
DSL-Haushalte auf 100 Prozent zu erhöhen", sagte 1&1-Vorstand Robert Hoffmann. Bis zum 13. Mai will die Bundesnetzagentur über den Antrag entschieden haben.