Donnerstag, 06.03.2008 00:01

Kreative Lösungen: Breitband fürs Land

aus den Bereichen Breitband, CeBIT
Rheinsberg hat Hartnäckigkeit bewiesen. Wie viele andere Regionen im ländlichen Raum war auch diese Gemeinde im Norden Brandenburgs vom schnellen Internet abgeschnitten. Breitbandanbieter hatten stets verweigert, in DSL, Glasfaser oder gar Powerline zu investieren. Im Großen und Ganzen kommen in Rheinsberg 450 Kunden auf rund 300 Quadratkilometer – das rechnet sich nicht. So ist der Bürgermeister selbst aktiv geworden: Die einzige Möglichkeit, das Areal für Breitband zu erschließen, war ein sogenanntes WLAN-Mesh-Netz, ein Übertragungssystem, in dem mehrere Funkzellen miteinander verbunden werden. Ein potentieller Anbieter wurde ermittelt, eine erste funktionsfähige Lösung demonstriert und nachdem sich 25 Interessierte bereit erklärt hatten, sich für eine Laufzeit über 24 Monate als Kunde zu verpflichten, kann es nun losgehen. "Die Resonanz auf unser Vorhaben ist bis jetzt ungebrochen groß", jubelt der Stadtvertreter. Ende Mai soll Rheinsberg an das DSL-WLAN-Netz angeschlossen werden.

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"Entschlossen und kreativ"

"Die Erfolgsgeschichte aus Nordbrandenburg ist nur eine von vielen", sagt Dr. Bernd Pfaffenbach auf einer Podiumsveranstaltung von Politik, Wirtschaft und betroffenen Gemeinden auf der CeBIT. Der Staatssekretär des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWI) hatte das Pilotprojekt "Praxisnahe Lösungen zur Schließung von Breitband-Versorgungslücken" angestoßen und mitfinanziert.

Damit gehört Rheinsberg zu den "Best-Practice"-Beispielen, die das BMWI mittlerweile auf einer Website präsentiert. Die Kommunen müssten die "Probleme selbst entschlossen und kreativ angehen", empfiehlt Pfaffenbach. Das Warten auf einen Anbieter sei nicht das richtige Mittel. "Wir betreiben Hilfe zur Selbsthilfe durch eine zielorientierte Informationspolitik, die sich insbesondere an die Entscheidungsträger in den Gemeinden, an Bürgerinitiativen und Unternehmen vor Ort richtet." Wenn alle zusammenarbeiten würden, gäbe es eine Lösung für jeden Problemfall.

Rundfunkfrequenzen für die Breitbandversorgung einsetzen

Auch seitens der Industrie gibt es lobende Stimmen: die Wirtschaft zeigt sich erstaunlich kooperativ. Ihr Vertreter ist Harald Stöber, Arcor-Chef und gleichzeitig Präsidiumsmitglied beim Branchenverband BITKOM. Er warnt eindringlich vor der Etablierung einer Zwei-Klassen-Informationsgesellschaft. Denn selbst, wenn einst breitbandlose Gemeinden an das schnelle Netz angeschlossen würden, seien sie aufgrund der hohen Gebühren weiterhin benachteiligt. "Die Preisdifferenz zwischen Breitbandangeboten in der Stadt beträgt maximal neun Euro. Auf dem Land führen die hohen Investitionskosten zu 50 oder mehr Euro." Gleichzeitig lehnt Stöber das Gedankenspiel von staatlichen Subventionen ab. Immerhin sei es die Aufgabe der Wirtschaft, die Technik so weiterzuentwickeln, dass sie kostengünstiger wird.

"Eine Lösung des Problems läge in der Nutzung frei werdender Rundfrequenzen", ergänzt Alf Henryk Wulf von der Initiative D21. "Die Bundesländer entscheiden ganz wesentlich mit, wie diese Frequenzen genutzt werden. Ich plädiere dafür, sie für die dringend benötigte Breitbandversorgung des ländlichen Raums einzusetzen." Die Industrievertreter zeigen sich überzeugt, dass eine Zusage zur Lizenzvergabe innerhalb von zwei Jahren zu einem Verschwinden der weißen Flecken auf der Breitbandlandkarte führen würde. Darüber hinaus sollte man auch nicht das Potential von Glasfasern aus den Augen verlieren. Auch wenn die Kosten derzeit einen flächendeckenden Ausbau verhindern, so gäbe es keinen triftigen Grund, nicht bei routinemäßigen Straßenreparaturen zumindest Leerrohre zu verlegen. "Selbst, wenn dann noch zehn bis zwölf Jahre dauern sollte", verteidigt Wulf den allmählichen Aufbau eines Glasfasernetzes. Baden-Württemberg hatte diese Praxis bereits im letzten Jahr zum Gesetz gemacht.
André Vatter
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