Mit dem Jahreswechsel ist der Browser-Krieg zwischen den beiden Kontrahenten Mozilla und Microsoft in eine neue Runde gegangen. Noch im Dezember hatte Mozilla-Chefin Mitchell Baker kampflustig die Verdoppelung der Marktmacht von Firefox prophezeit – gleichzeitig legte die Open Source-Truppe eine erste Beta-Version des Firefox 3.0 vor. Microsoft ließ sich etwas mehr Zeit. Erst vor wenigen Tagen kündigten die Redmonder an, dass eine
Testversion des neuen Internet Explorer 8 bereits in den Startlöchern stände. Mozilla konterte erneut und ließ in Feierlaune mitteilen, dass der eigene Gratis-Browser mittlerweile
500 Millionen Mal herunter geladen wurde. Das Rennen um die meisten Anwender beschleunigt sich zunehmend.
300 Millionen IE-Anwender
Kein Wunder also, dass man die Veröffentlichung der Nutzerzahlen angemessen inszeniert. Microsoft zog Ende vergangenen Jahres eine
genüssliche Bilanz. Nicht weniger als 300 Millionen Anwender würden mit dem Internet Explorer 7 ins Netz gehen. Damit wäre die auf vielen Systemen bereits vorinstallierte 7er-Version zwar nur die zweitbeliebteste, räumte Group Program Manager Tony Chor ein, aber schlimm sei das nicht, denn der Internet Explorer 6 stände weiterhin an der Spitze.
Volkszählung per Ping-Protokollierung
In diesen Tagen traf man sich in Brüssel zum "Free and Open Source Software Developers' European Meeting" (FOSDEM). Auch Mozilla war vertreten - mit im Gepäck: neue Zahlen. Anders als bei Microsoft, wo man auf externe Marktforscher setzt, verlässt sich Mozilla auf eine systemeigene Messmethode. Ende 2007 hatte Mozilla-Mitarbeiter John Lilly in seinem
Blog Details darüber verraten: "Firefox benutzt ein System, das wir AUS nennen: Application Update Service. Seine Aufgabe ist es, den Browser mit Updates auf den neuesten Stand zu halten. Einmal am Tag sendet dafür Firefox einen Ping an Mozilla. Die werden von uns gezählt und nach der jeweiligen Sprachversion des Browsers kategorisiert." Lilly zufolge hätte eine Zählung im November vergangenen Jahres einen treuen Nutzerstamm von 125 Millionen Firefox-Surfern weltweit ergeben.
Der Vatikan geht mit Firefox ins Netz
Die neuen
FOSDEM-Zahlen verraten aber noch mehr. Entgegen allen Erwartungen genießt der Browser in den Vereinigten Staaten nicht die Vorzüge eines Heimspiels. Weniger als 30 Prozent aller Firefox-Nutzer kommen aus den USA. Vielmehr ist der Feuerfuchs - mit seinen 50 verfügbaren Sprach-Plugins - ein Weltenbummler, der Nutzern auf den Norfolkinseln mit ihren nicht ganz 2.000 Bewohnern, in der Vatikanstadt oder auf dem zwölf Quadratkilometer großen Atoll-Inselchen Tokelaus einen Eingang zum Internet bietet. In dieser Form der Internationalisierung könnte Mozilla zufolge eine Chance für weiteres Wachstum liegen. Derzeit schaut man gebannt nach Asien: Nirgendwo steigen die Nutzerzahlen so rasant wie in China.