Mehr Umsatz – weniger Gewinn. Der harte Wettbewerb im Telekommunikationssektor hat Spuren in der Jahresbilanz von
Versatel hinterlassen. Die Düsseldorfer haben im letzten Jahr einen Gewinn von 191 Millionen Euro vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) erwirtschaftet: rund zehn Prozent weniger als 2006. Daran konnte auch der gestiegene Umsatz in Höhe von 700,6 Millionen Euro nichts ändern.
"Massiver Preisverfall"
Bei Versatel gibt man sich dennoch zufrieden: Die Zahlen lägen in dem anvisierten Umsatzziel. Auch bei Analysten sorgte das Ergebnis für wenig Überraschung. Der Kampf um den Kunden sei in Zeiten des "massiven Preisverfalls" ein hartes Geschäft. Versatel konnte 2007 rund 185.000 neue DSL-Nutzer gewinnen, was in etwa dem Vorjahresniveau entspricht. Insgesamt verzeichnete das Unternehmen 657.000 DSL-Privatkunden zum Jahresende. Auffallend ist die hohe Anzahl von Nutzern, die trotz Vertrag noch nicht an das Versatel-Netz angeschlossen sind: Rund 20.900 von ihnen sind nach Angaben des Konzerns noch in der
Warteschleife der Deutschen Telekom gefangen. Dieser so genannte "Backlog" würde die Anzahl wartender Kunden im Vergleich zu 2006 um mehr als das Zweieinhalbfache übertreffen.
Wertsteigerung steht im Vordergrund
Schon im letzten Quartal hatte sich im Hause Versatel eine Strategieänderung bemerkbar gemacht. Die Bemühungen um die Neukundengewinnung wurden zurückgefahren, im Vordergrund steht in erster Linie die Wertsteigerung des Unternehmens. "In dem wettbewerbsintensiven Markt bei ruinösen Werbekosten wollen wir nicht Kunden um jeden Preis gewinnen. Wachstum ist weiterhin angestrebt, aber mit Augenmaß. Die Profitabilität steht im Vordergrund", erklärt der Vorstandsvorsitzende Peer Knauer. "Wir gehen für 2008 von einem deutlich langsameren Marktwachstum und einem höheren Wettbewerbsdruck mit entsprechender Wirkung auf Preise und Kundengewinnungskosten aus. Für uns ist wichtig, in diesem Umfeld die finanzielle Flexibilität für Investitionen zu bewahren. Die Ergebnisse des vierten Quartals bestätigen uns auf diesem Weg." In dem betreffenden Zeitraum konnte Versatel das EBITDA um elf Prozent im Vergleich zum Vorquartal steigern.
Gut positioniert, aber vorsichtig optimistisch
Für 2008 sieht sich Versatel gut positioniert. Die Zahl der Städte, in denen das Unternehmen vertreten ist, kletterte auf 280. Gleichzeitig wurde das eigene Angebot durch
Entertainment-Pakete wie Musik- und Film-Downloads aufgewertet. Auch von dem neu eingeführten
Baukasten-Tarif, der dem Kunden mehr Flexibilität gibt, verspricht sich der Konzern einiges. Um darüber hinaus die Betriebsabläufe zu optimieren, hat Versatel schon am Anfang des Jahres damit begonnen, sämtliche Führungsaufgaben des Konzerns in Düsseldorf zu zentralisieren. Gleichzeitig plant das Unternehmen die Ausgliederung von Bereichen, die nicht unmittelbar das Kerngeschäft betreffen - bis zu
200 Stellen sollen dabei gestrichen werden. Auch im Marketing wird es 2007 Veränderungen geben: Kampagnen im Privatkundensegment sollen zunehmend regional ausgerichtet werden.
Die Umsetzung des Sparplans soll
Versatel zufolge spätestens im Jahr 2009 eine Kosteneinsparung in Höhe vom 30 Millionen Euro bringen. Für 2008 erwartet das Unternehmen jedoch zunächst erst einmal einen Umsatz von 730 bis 740 Millionen Euro sowie ein bereinigtes EBITDA in Höhe von mindestens 200 Millionen. Euro.