Das Telefon schellt. Der Angerufene nimmt ab und am anderen Ende der Leitung verkündet eine junge Dame mit lachender Stimme, dass man bei einer Verlosung einen Preis gewonnen hätte. Schnell fällt auf, dass es sich bei dem Anruf um eine aufgezeichnete Glückwunschbotschaft handelt: "Drücken Sie jetzt die Raute und wir verraten Ihnen, was Sie gewonnen haben." Wird die Taste gedrückt, wird eine neue Verbindung zu einem 0900-Anschluss aufgebaut – ein Tastendruck, der sich später mit bis zu 30 Euro auf der Telefonrechnung niederschlagen kann. Das Perfide daran: Selbst bei Anschlüssen, die eine Sperre für gebührenpflichtige Sonderrufnummern aktiviert haben, funktioniert dieser Trick.
Geschäftsmodell verboten
"Damit ist jetzt Schluss!", verkündete heute die Bundesnetzagentur. Der Satz gilt einem Unternehmen, das in der Vergangenheit mit eben jener Abzocktaktik ahnungslose Bürger um ein paar Euro erleichtert hatte. Die Netzagentur hat deshalb nun alle Register gezogen: Sie hat die Abschaltung der 0900-Rufnummer wegen Rufnummern-Spams angeordnet, der betreffenden Firma untersagt, illegale Telefonwerbung durchzuführen, ein Rechnungslegungs- und Inkassierungsverbot ausgesprochen sowie - und das lässt Deutschlands 0900-Opfer aufatmen - das angewandte Geschäftsmodell verboten. Für den Fall der Zuwiderhandlung wurden zudem saftige Zwangsgelder angekündigt.
"Unnachgiebig gegenüber organisiertem Rufnummermissbrauch"
Der Präsident der Regulierungsbehörde, Matthias Kurth, stößt harte Drohworte gegen Anhänger des arglistigen Telefonbetrugs aus: "Wir schützen die Verbraucher und gehen unnachgiebig gegen einen derartig organisierten Rufnummermissbrauch vor. Das Telekommunikationsgesetz hat uns Instrumente an die Hand gegeben, mit denen wir den Missbrauch von Telefonnummern bekämpfen können. Diese Instrumente schöpfen wir voll aus. Es darf nicht zu Schlupflöchern für Unternehmen kommen, die durch technische Manipulationen eindeutige Regeln umgehen wollen. Missbrauch von Rufnummern und Tricks dürfen nicht Basis für Geschäftsmodelle sein. Dies kann auch nur im Interesse rechtschaffener Anbieter im Mehrwertdienstemarkt sein."
Die Bundesnetzagentur ruft alle betroffenen Verbraucher auf, sich zu melden. Beschwerdestellen sind telefonisch unter der Rufnummer 0291/9955-206 oder per E-Mail zu erreichen:
rufnummernmissbrauch@bnetza.de
André Vatter