Es klingt wie ein Nachruf, und es sieht auch wie einer aus. Wer in diesen Tagen die Videoplattform
Stage6 besucht, wird von einer ungewohnten Begrüßung überrascht: "Ich schreibe diese Nachricht, um Sie darüber zu informieren, dass wir Stage6 am 28. Februar 2008 schließen werden", heißt es in ehrfurchtsvollem Weiß auf schwarzem Hintergrund. "Die Upload-Funktion wurde bereits deaktiviert. Noch bis Donnerstag können Sie Filme anschauen und herunterladen." Ein Mitarbeiter des Site-Betreibers DIVX verkündet per Blog-Eintrag den frühen Tod der beliebten Videoplattform. Sie wurde gerade einmal zwei Jahre alt.
Filme in HD-Qualität
Stage6 war das letzte Bollwerk gegen die grieselige Clip-Kultur von Youtube und Co., die bis heute auf Sekundenfilmchen im Briefmarkenformat setzen. Stage6 war anders: Filme von anderthalb Stunden Länge waren hier keine Seltenheit, zugleich schaffte der Codec-Hersteller DIVX optimale Rahmenbedingungen für Bildästheten. Da Stage6 nicht dem Flash Player, sondern einzig dem hauseigenen Codec vertraute, konnte die Plattform Filme in High Definition-Qualität mit bis zu 1.080p (Progressive Scan) anbieten – das reicht beinahe an Blu-ray heran. Auch die maximale Größe der Videodatei, die beim Upload bis zu zwei Gigabyte (GB) betragen konnte, kam vielen seiner treuen Nutzer sehr entgegen. Sämtliche Filme ließen sich per Knopfdruck auf den eigenen Rechner herunterladen. Die meisten DVD-Player unterstützen heute das DIVX-Format, weshalb früher oder später viele Filme nicht nur über Computermonitore, sondern auch über Fernsehbildschirme flimmerten.
Ab Donnerstag Geschichte: Die Videoplattform Stage6. Bild: onlinekosten.de
Gigantisches Maß an Traffic-Volumen
Warum also musste es zu einem Ende kommen? "Die kurze Antwort lautet folgendermaßen", heißt es auf der Website weiter. "Ein weiterer Betrieb von Stage6 würde ein teures Unterfangen, das viel Aufmerksamkeit und viele Ressourcen verschlingt. Wir können uns beides nicht länger leisten. Natürlich spielen eine Reihe weiterer Details eine Rolle, aber am Ende ist wirklich dies der Grund." Das dürfte zutreffend sein. Vor allem für Ex-Filesharer wirkte Stage6 wie ein Magnet. Das Team hinter der Plattform war redlich bemüht, gegen die Flut von urheberrechtsgeschütztem Material anzukämpfen: eine manchmal nervenzehrende, stets aber zeitintensive Arbeit. Zudem verursachten die hochauflösenden Videos Tag für Tag ein gigantisches Traffic-Volumen. Schuld daran war nicht ein sprunghaftes Wachstum der Besucherzahlen, sondern die Praxis von immer mehr Foren, Blogs und Special-Interest-Filmportalen, für eigene Inhalte die Stage6-Streamingserver zu missbrauchen.
Das Problem war bekannt, sodass die Betreiber schon im Sommer 2007 darüber nachdachten, Stage6 zu verkaufen, als Firma auszugliedern oder einfach zu schließen. "Ich werde (und kann) nicht näher auf die beiden ersten Optionen eingehen, außer, dass wir wirklich hart daran gearbeitet haben, Stage6 am Leben zu halten", verteidigt der Mitarbeiter den jetzigen Entschluss. Die Reaktionen der Nutzer reichen derweil von aggressivem Unverständnis bis hin zu gut gemeinten Vorschlägen, die das Unheil in letzter Minute abwenden sollen. Bis zur Stunde sind etwa 12.000 Protestkommentare eingetragen worden.